Die Finanzaufsicht Bafin widerspricht der Darstellung des schillernden Investors Lars Windhorst, er habe "mit Zustimmung" der Behörde Einlagen zurückerstattet. Eine Bafin-Sprecherin benutzte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) in dem Zusammenhang vielmehr den Begriff "Anordnung". Für die Entgegennahme des Geldes hätte es nach Ansicht der Aufseher einer Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz bedurft. Die Mittel waren offenbar dafür gedacht, Wertpapiere von den Fonds der Investmentboutique H2O zurückzukaufen.

Die Bafin hatte wegen des Anfangsverdachts des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz Ermittlungen aufgenommen. Im Mai erstattete die Behörde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin. Windhorst hatte sich verständnislos gezeigt, als die Ermittlungen im Juli bekannt wurden. Nun stellt sich die Frage, ob die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellt. Windhorst sprach in seiner Mitteilung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter von Dienstag (9. November) davon, dass sich die Rechtsstreitigkeiten mit der Bafin erledigt hätten, "die bei Gericht anhängig sind."

Teilfonds in Abwicklung
Ins Rollen gekommen war das Drama durch massive Investments der Boutique H2O von Bruno Crastes in teilweise illiquide Wertpapiere von Unternehmen, die dem Windhorst-Umfeld zuzurechnen sind. Als das Engagement bekannt wurde, zogen Anleger Milliarden ab. Später ordnete die französische Finanzaufsicht die zeitweilige Schließung einiger Fonds an. Diese wurden in liquide und illiquide Teile getrennt. Letztgenannte bleiben geschlossen und werden aufgelöst.

Die von der Bafin beanstandeten Mittelflüsse dienten offenbar dazu, Wertpapiere von H2O zurückzukaufen. Dies hätte eine Abwicklung der geschlossenen Teilfonds vorangebracht. H2O und Windhorsts Gesellschaft Tennor Holding sprachen im Mai dann von einer Restrukturierung der Verbindlichkeiten über die Ausgabe einer neuen Anleihe. Details dazu wurden nicht bekannt.

Gericht erklärt Insolvenz, Einspruch eingelegt
Das einstige "Wunderkind" aus der Ära des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl hat offenbar auch an anderer Front Schwierigkeiten. So erklärte ein niederländisches Gericht eine von Windhorsts Gesellschaften, die Tennor Holding B.V., für insolvent. Dem entgegnete der Financier des Hauptstadtfußballklubs Hertha BSC auf Twitter: "Tennor ist entgegen anderslautender Berichte nicht insolvent!"

Gegen die Entscheidung eines Amsterdamer Gerichts sei Einspruch eingelegt worden. Er sei sicher, dass die Entscheidung zurückgenommen werde. "Tennor hat sich mit dem Antragsteller außergerichtlich geeinigt", so Windhorst. Die Gesellschaft werde einen hohen Cash Flow und hohen Gewinn erwirtschaften. Der Investor hatte im Laufe seines Lebens bereits mehrere Insolvenzen erlebt. (ert)