Um international zu wachsen und sich mit Partnern künftig noch breiter aufzustellen, hat der Maklerpool Blau Direkt die US-amerikanische Private-Equity-Firma Warburg Pincus an Bord geholt. Dies teilt das Unternehmen mit Sitz in Lübeck mit. Angesichts einer zunehmenden Marktkonsolidierung und der immer schneller voranschreitenden Digitalisierung scheint Blau Direkt eine solche Partnerschaft geboten.

"An der Spitze ist das Tempo der Digitalisierung hoch. Um dem Marktdruck zu trotzen, statt ihm bloß standzuhalten, braucht es Internationalisierung und Geschwindigkeit", erklärt Lars Drückhammer, Geschäftsführer von Blau Direkt. Um das Firmenwachstum grenzüberschreitend zu fördern, komme mit Warburg Pincus ein erfahrener Spezialist für Corporate Engineering zum Maklerpool hinzu. "Für den Aufbau eines internationalen Firmengeflechts benötigt es eine Menge an hoch spezialisiertem Know-how und Zugang zu Kapitalmärkten, vor allem aber ein gutes Netzwerk", so Drückhammer.

Internationale Holding
Mit dem Einstieg von Warburg Pincus werden Struktur und Rechtsform des norddeutschen Maklerpools in mehreren Schritten verändert. Zuerst wird das Unternehmen von einer Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt. In der nächsten Phase soll der Pool in eine internationale Holding eingebracht werden. An der Holding werde Warburg Pincus zunächst rund 65 Prozent halten, etwa 35 Prozent der Anteile sollen auf Blau Direkt entfallen, erklärt der Pool auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE.

Eine Meldung der beiden Partner über eine Mehrheitsbeteiligung des US-Finanzinvestors an dem Lübecker Pool ist bereits an das Bundeskartellamt ergangen. Darüber hatte am Freitag (8.7.) zuerst der Branchendienst "Versicherungsmonitor" berichtet. Die Mehrheitsbeteiligung beziehe sich jedoch nicht auf die aktuelle Firmengruppe, sondern auf die künftige Unternehmensstruktur, teilt der Maklerpool FONDS professionell ONLINE mit. "Wir, die aktuellen Eigentümer, verkaufen keine Firmenwerte und sind weiter voll investiert", erläutert Oliver Pradetto, wie Drückhammer Geschäftsführer von Blau Direkt. Auch werde das Private-Equity-Haus nicht dauerhaft 65 Prozent halten. Geplant ist laut Pradetto, mit der Zeit weitere Partner zu finden, die Anteile von Warburg Pincus erwerben.

Gegen große Player durchsetzen
"Warburg Pincus übernimmt für uns die Neustrukturierung, konstruiert den internationalen steuer- und handelsrechtlichen Rahmen, verschafft uns Zugang zu den Kapitalmärkten und stellt uns sein Netzwerk zur Verfügung", so Pradetto. "Mit dieser Partnerschaft sollte es uns gelingen, uns zu internationalisieren und die Größenordnung zu erlangen, um uns gegen Player wie Ping-An oder Amazon durchzusetzen. Das war ja immer unser Ziel", erklärt der Geschäftsführer.

Darauf hatte auch Lars Drückhammer Ende vergangenen Jahres hingewiesen. Nachdem im Dezember 2021 bekannt wurde, dass der britische Investor HG Capital den Münchner Maklerpool Fonds Finanz mehrheitlich übernimmt, hatte Drückhammer erklärt, sein Pool habe Ambitionen, einen europäischen Superpool aufzubauen. Er verwies dabei auf ein Wachstum von 50 Prozent für das Jahr 2021. Dies sei ein "Kunststück", das ohne Zukauf und ohne Investoren gelungen sei. "Wenn wir diese Wachstumsgeschwindigkeit halten, werden wir nächstes Jahr nicht nur die Fonds Finanz als Marktführer ablösen, sondern entwickeln uns spätestens bis Ende 2023 aus eigener Kraft zu einem marktgestaltenden Superpool", hatte Drückhammer erklärt.

Aufbruch in weitere Länder Europas
Blau Direkt hat sich in jüngster Zeit von einem Maklerpool zu einem Infrastrukturdienstleister gewandelt, der Technologie, Prozesse und Outsourcing-Dienstleistungen für Vertriebe, mittelständische Makler, Banken und andere Maklerpools bereitstellt. Das hanseatische Unternehmen, das in Deutschland und Österreich bereits stark aufgestellt ist, hat erst im vergangenen Jahr eine Unternehmenstochter in Estland aufgebaut und möchte nach eigenen Angaben in den nächsten Jahren den Aufbruch in weitere Länder Europas wagen. (am)