Gut eine Woche ist es her, dass der Maklerpool BCA die Übernahme des Insurtechs Asuro verkündete (FONDS professionell ONLINE berichtete). Auf einer Presseveranstaltung am Frankfurter Flughafen verrieten Führungskräfte beider Unternehmen nun, was sie sich von dem Zusammenschluss versprechen.

BCA-Vorstandschef Rolf Schünemann sprach davon, man habe sich eine "verlängerte IT-Werkbank eingekauft". Um mit der rasanten Marktentwicklung Schritt zu halten, seien zusätzliche Entwicklerkapazitäten nötig. Diese seien jedoch ein rares Gut, insbesondere verbunden mit Spezial-Knowhow zum Versicherungsmarkt. Asuro biete eine "Kombination aus Start-up-Mentalität und tiefer Branchenkenntnis", so Schünemann. Asuro wurde 2015 gegründet und beschäftigt 15 Mitarbeiter. Geschäftsführer Carlos Reiss kennt die Versicherungsbranche allerdings schon seit 35 Jahren, er baute beispielsweise den Großmakler Hoesch & Partner auf.

Alltagstaugliche Anwendungen
Nicht nur die BCA, auch andere Maklerpools haben erkannt, dass sie sich IT-Ressourcen sichern müssen. So verleibten sich die Fonds Finanz und deren Gründer Norbert Porazik und Markus Kiener in den vergangenen beiden Jahren gleich drei Softwarehäuser ein (FONDS professionell ONLINE berichtete). Im Mai 2018 gründete der Hamburger Finanzdienstleister Netfonds ein entsprechendes Joint-Venture mit dem Mitbewerber Maxpool gegründet. Andere Maklerpools wie Fondsnet oder Fondskonzept haben ihre IT-Abteilungen ausgebaut und in eigene Tochtergesellschaften ausgegliedert.

Doch bei Asuro ging es der BCA nicht nur um die Softwareexperten. Schünemann lobte auch die diversen Anwendungen, die Asuro bereits entwickelt hat und die sich schon als alltagstauglich erwiesen hätten. BCA-IT-Vorstand Christina Schwartmann sagte, diese Funktionalitäten würden nun Schritt für Schritt in die Systeme des Maklerpools integriert, damit die Vermittler sie in ihrer vertrauten Umgebung nutzen könnten. Schünemann hob zudem die "hohe Schnittstellenkompetenz" von Asuro hervor, die es ermögliche, Daten über verschiedene Systeme hinweg auszutauschen.

Automatisierter Bedarfs-Check
"Unsere Tools eigenen sich hervorragend für freie Vermittler", sagte Reiss. "Ich bin davon überzeugt, dass bald kein Pool seinen Partnern einen besseren Werkzeugkasten bieten kann als die BCA." Es werde nur einige Monate dauern, bis die Asuro-Anwendungen in die BCA-Welt integriert seien. Reiss erwähnte unter anderem die Vergleichstechnologie, mit der sich verschiedene Tarife gegenüberstellen lassen, die Möglichkeit eines Online-Abschlusses für die Policen und den automatisierten Bedarfs-Check, bei dem auf Basis der Kundendaten ermittelt wird, welche zusätzlichen Verträge der Endkunde benötigen könnte.

Reiss zufolge ist im Asuro stark im Belegschafts- und B2B-Geschäft vertreten. Sein Unternehmen habe beispielsweise die Ford-Versicherungs-Vemittlungs GmbH in Köln "digitalisiert". Auch die Vergleichsplattform Verivox setze Asuro-Technologie ein.

"Früher oder später braucht jedes Insurtech Vermittler"
Den Kauf seines Unternehmens durch die BCA bezeichnete er als "Win-win-Situation". Denn für ein Start-up im Versicherungsbereich reiche es nicht, nur eine gute Technologie zu bieten. "Früher oder später braucht jedes Insurtech Vermittler, die die Technologie auch anwenden", so Reiss. Die BCA mit ihren 9.700 angebundenen Vermittlern sei da ein idealer Partner. Reiss betonte, für die tägliche Zusammenarbeit sei die räumliche Nähe zwischen beiden Unternehmen sehr hilfreich: Asuro sitzt in Frankfurt, die BCA im benachbarten Oberursel.

Asuro gehörte vollständig der Hoesch Group, bevor die BCA 100 Prozent der Anteile übernahm. Zum Kaufpreis wollten sich die Beteiligten auf Rückfrage von FONDS professionell ONLINE nicht äußern. BCA-Vorstand Frank Ulbricht meinte jedoch, für den Kauf seien keine Verbindlichkeiten aufgenommen worden – der Erwerb erfolgte also mit Eigenkapital. Reiss hat im Zuge der Transaktion eigenen Angaben zufolge keine BCA-Aktien erhalten. Klar ist aber, dass er auch ohne einen solchen Anreiz als Geschäftsführer an Bord bleiben soll. Asuro soll als eigenständige Firma weitergeführt werden. (bm)