Warren Buffett, der berühmteste Investor der Welt, der aus einer alternden Textilfabrik einen über eine Billion US-Dollar schweren Konzern formte, hat angekündigt, dass er sich "zurückziehen" werde – das Ende einer Ära für einen der meistbeachteten Investoren der Welt.

Abschied vom Amt und vom Aktionärsbrief
In einem Brief erklärte der 95-jährige Investor, der zum Jahresende als Vorstandsvorsitzender abtritt, dass er keine jährlichen Briefe mehr für Berkshire Hathaway schreiben und auch nicht mehr bei den Aktionärstreffen des Unternehmens sprechen werde. Zugleich gab er bekannt, mehr als 1,3 Milliarden Dollar an vier Familienstiftungen zu spenden.

Das Schreiben markiert einen weiteren Schritt in Buffetts Jahr des Übergangs, nachdem er auf der diesjährigen Hauptversammlung überraschend erklärt hatte, die Leitung an seinen langjährigen Stellvertreter Greg Abel zu übergeben. Abel übernimmt damit auch die Verantwortung für ein Barvermögen von knapp 382 Milliarden Dollar, das sich in den vergangenen Jahren angesammelt hat, weil Buffett auf große Übernahmen und Aktienrückkäufe verzichtet hatte.

"Bin fünf Tage pro Woche im Büro"
Buffett betonte, er fühle sich "im Allgemeinen gut". Er wolle das Tempo seiner Spenden an die Stiftungen seiner Kinder jedoch "beschleunigen", solange er noch lebe. "Obwohl ich mich langsam bewege und das Lesen zunehmend schwerfällt, bin ich fünf Tage pro Woche im Büro, wo ich mit wunderbaren Menschen arbeite", schrieb Buffett. "Gelegentlich habe ich eine nützliche Idee oder erhalte ein Angebot, das wir sonst nicht bekommen hätten. Wegen der Größe von Berkshire und der aktuellen Marktlage sind gute Ideen selten – aber nicht null."

Schreiben wie dieses – ebenso wie seine jährlichen Briefe an die Aktionäre – gelten seit Jahren als Pflichtlektüre für seine Anhänger. Sie suchen darin nach Einsichten, Anlagetipps und Bonmots, die Buffett den Ruf eines der größten Investoren aller Zeiten eingebracht haben.

Vermögensübertragung an die nächste Generation
In dem Brief erklärte Buffett, er wolle die Übertragung seines Vermögens an seine Kinder beschleunigen, damit sie zu Lebzeiten über den Großteil verfügen können. Seine drei Kinder – Susie, Howard und Peter – seien bereits in ihren 60ern und 70ern. Es wäre, so Buffett, ein "Fehler", darauf zu wetten, dass sie alle in seinem Alter noch dasselbe "außergewöhnliche Glück" hätten.

"Alle drei Kinder haben heute die Reife, den Verstand, die Energie und die Instinkte, um ein großes Vermögen zu verteilen", schrieb Buffett. "Sie werden außerdem den Vorteil haben, noch am Leben zu sein, wenn ich längst fort bin – und können, falls nötig, Strategien sowohl vorausschauend als auch reaktiv an Steuerpolitik oder andere Entwicklungen im Bereich Philanthropie anpassen."

Milliardenspende an Familienstiftungen
Buffett wird laut Schreiben 1.800 Berkshire-Aktien der Klasse A in 2,7 Millionen Aktien der Klasse B umwandeln. Davon sollen 1,5 Millionen an die Susan Thompson Buffett Foundation, benannt nach seiner verstorbenen Frau, gehen. Jeweils 400.000 Aktien erhalten die Sherwood Foundation, die Howard G. Buffett Foundation und die NoVo Foundation seiner Kinder.

100 Prozent Vertrauen in Greg Abel
Zugleich betonte Buffett, er wolle einen "bedeutenden" Teil seiner A-Aktien behalten, bis die Aktionäre von Berkshire Hathaway Greg Abel ebenso vertrauten wie einst ihm und seinem langjährigen Partner Charlie Munger. "Dieses Vertrauen sollte sich nicht lange hinziehen", schrieb Buffett. "Meine Kinder stehen bereits zu 100 Prozent hinter Greg, ebenso wie der Aufsichtsrat von Berkshire."

Buffett hatte bereits im Mai erklärt, dass Abel künftig das letzte Wort über die operativen Geschäfte von Berkshire Hathaway und über die Kapitalallokation haben werde. Der vollständige Führungswechsel soll zum Jahresende abgeschlossen werden.

"Ich kenne keinen Besseren"
In seinem jüngsten Brief bekräftigte Buffett sein Vertrauen in Abel: Der Manager habe seine Erwartungen seit der Ernennung zum potenziellen Nachfolger übertroffen. "Ich kann mir keinen CEO, keinen Unternehmensberater, keinen Akademiker, kein Regierungsmitglied – niemanden – vorstellen, dem ich lieber Ihre und meine Ersparnisse anvertrauen würde als Greg", schrieb Buffett. (mb/Bloomberg)