Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY muss wegen ihrer zweifelhaften Leistungen in punkto Wirecard-Buchprüfung offenbar um Aufträge bangen. So bläst die Fondsgesellschaft DWS den geplanten Wechsel zu den EY-Experten ab. Der Aufsichtsrat schlägt stattdessen den Aktionären vor, auf der Hauptversammlung erneut den Konkurrenten KPMG als Controller zu benennen. Dies geht aus der Einladung zum Aktionärstreffen der Deutschen-Bank-Tochter hervor.

"Diese Entscheidung wurde vorsorglich, einvernehmlich und unter sorgfältiger Abwägung getroffen, um mögliche zukünftige Konflikte zu vermeiden, die sich aus EYs Rolle als Abschlussprüfer der Wirecard ergeben können", sagte ein DWS-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Auch Commerzbank erwägt Wechsel
EY hatte jahrelang die Bilanzen von Wirecard durchgewunken. Im Juni verweigerte EY Wirecard das Testat für die 2019er Bilanz. KPMG hatte in einer langwierigen Sonderprüfung Ungereimtheiten in den Büchern aufgedeckt. Fonds der DWS, darunter Starmanager Tim Albrecht, hatten erheblich in Wirecard-Aktien investiert. Die Fondsgesellschaft prüft rechtliche Schritte gegen Wirecard, dessen ehemaligen Chef Markus Braun und weitere Beteiligte.

Doch nicht nur die DWS geht auf Distanz zu EY. Auch der EY-Kunde Commerzbank prüft offenbar eine Trennung. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge erwägt der Aufsichtsrat der Commerzbank, den Aktionären einen Wechsel zu einem anderen Prüfer vorzuschlagen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, heißt es weiter. Weder das Institut noch EY wollten sich der Zeitung gegenüber dazu äußern. Der Wechsel des Wirtschaftsprüfers außerhalb des üblichen Turnus ist aufwendig und dürfte daher wohl überlegt erfolgen. (ert)