Die US-Großbank Citigroup gibt ihre White-Label-Plattform für börsengehandelte Fonds (ETFs) in Europa auf. Dies berichtet der Branchendienst "ETF Stream". Damit stoppt ein weiteres Wall-Street-Institut seine Ambitionen als ETF-Servicedienstleister. Das New Yorker Institut Goldman Sachs hat im vergangenen Jahr seine Plattform mit der Bezeichnung ETF Accelerator aufgelöst. Die Citigroup wiederum hatte 2024 angekündigt, rund um ETFs Dienstleistungen anbieten zu wollen. Das Geschäft namens Citi Velocity sollte auch in Europa starten.

Ein Sprecher der Citigroup bestätigte gegenüber "ETF Stream" den Rückzug. Nach einer Überprüfung der Marktlage sei die strategische Entscheidung gefallen, das Geschäft aufzugeben. Gleichwohl lege das Institut weiterhin einen Fokus auf die "große und weiter wachsende ETF-Industrie" weltweit und in Europa, betonte der Sprecher. Die Nachfrage nach dem Serviceangebot des Instituts sei weiterhin hoch und die Citigroup werde weiterhin als ETF-Dienstleister aktiv sein.

Wachstum zieht Akteure an
Der Ausstieg der US-Großbank aus dem ETF-Private-Label-Geschäft fällt in eine Phase, in der immer mehr Anbieter ihren Einstieg in das Segment ankündigen. So haben unter anderem die Servicegesellschaften Hansainvest, Universal Investment, die Hauck Aufhäuser Fund Services sowie Europas größter Fondsanbieter Amundi angekündigt, hier aktiv zu werden. Das Luxemburger Unternehmen Axxion wiederum hat eigens eine Marke für sein ETF-White-Label-Geschäft aus der Taufe gehoben. Daneben sind Häuser wie State Street, Waystone oder die Carne Group in dem Geschäft aktiv.

Das zunehmende Interesse der Anbieter ist auf das starke Wachstum des ETF-Marktes zurückzuführen. Das verwaltete Vermögen kletterte allein in Europa im Laufe des vergangenen Jahres auf rund 2,6 Billionen Euro. Dies zeigen Daten der London Stock Exchange Group (LSEG). Demnach flossen ETFs 2025 unter dem Strich 333 Milliarden Euro an Neugeld zu – noch einmal mehr als im bisherigen Top-Jahr 2024, als die börsengehandelten Vehikel ein Nettomittelaufkommen in Höhe von 256 Milliarden Euro verzeichnet hatten.

Pionier und Branchenprimus
Europäischer Pionier in dem Bereich ist wiederum Han-ETF. Die Gesellschaft war 2017 von Hector McNeil und Nik Bienkowski gegründet worden. Das Unternehmen mit Hauptsitz in London ist zum größten White-Label-Anbieter bei ETFs aufgestiegen. Neben dem Plan, eine eigene Plattform aufzubauen, hatte die Citigroup im Juli 2025 eine Beteiligung an Han-ETF erworben. Das Wall-Street-Haus wollte zudem auf einzelne Dienstleistungen der Londoner zurückgreifen.

Die Citigroup stand dem Bericht von "ETF Stream" zufolge mit zwei Bankengruppen in Verhandlungen über die Auflage von börsengehandelten Fonds, einmal die österreichische Erste Group aus dem Sparkassenlager sowie die genossenschaftliche deutsche DZ-Bank-Gruppe, zu der auch der Fondsanbieter Union Investment gehört. Dieser hatte im Dezember über eine Tochter seine ersten ETFs lanciert. Dem Medienbericht zufolge sollen Teile des angehenden Geschäfts von Citi Velocity an die Carne Group sowie Han-ETF übergehen. (ert)