Wie die Börsen in Shanghai und Hongkong bekannt gegeben haben, wird das IPO der Ant Group nicht wie geplant am 5. November 2020 stattfinden. Laut der chinesischen Finanzaufsicht erfüllt der Betreiber des Zahlungsdienstleisters Alipay nicht die Voraussetzungen für die 37 Milliarden US-Dollar schwere Emission. Die Börse in Shanghai gibt "Änderungen im regulatorischen Umfeld der Finanztechnologie und andere wichtige Probleme" als sehr vage gehaltene Gründe für diesen Schritt an.

Nach Aussage von Insidern hatte Chinas Finanzaufsicht am Montag (2.11.) Alibaba-Gründer Jack Ma, der auch Ant Financial ins Leben gerufen hatte, und andere Top-Manager zu einer Anhörung einbestellt, wie die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtet. Im Rahmen dieses Treffens wurde ihnen mitgeteilt, dass das lukrative Online-Kreditgeschäft künftig stärker überwacht wird. Und diesen Anforderungen könne Ant möglicherweise zunächst nicht nachkommen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Zudem könne Ant möglicherweise Offenlegungspflichten und Voraussetzungen für eine Notierungsaufnahme nicht erfüllen. Die Kehrtwende der Behörden kommt für viele überraschend, nachdem erst am 21 Oktober grünes Licht für den IPO gegeben wurde. Doch die Dominanz von Ant sowie dem Internetgiganten Tencent mit seinem Bezahldienst WeChat Pay stößt den Behörden offenbar zunehmend sauer auf.

Nachdem das Platzen des Börsengangs bekannt wurde, stürzten die Aktien des Ant-Großaktionärs und Amazon-Rivalen Alibaba an der Wall Street zeitweise um mehr als neun Prozent ab. Somit bleibt der IPO des Ölgiganten Saudi Aramco aus dem Vorjahr mit 29,4 Milliarden US-Dollar vorerst der Rekordhalter. (mb)