Das Fintech Weltsparen wächst dank der Niedrigzinsen – und wird langsam zu einem ernst zu nehmenden Rivalen für die heimischen Banken. Denn die Zahlen des Zinsportals, das via Internet Sparern den Zugang zu höherverinslichen Tages- und Festgeldkonten bei Banken aus aller Welt bietet, sind beeindruckend.

Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) hat das Digital-Unternehmen allein 2017 Spareinlagen in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro vermittelt. Vier Jahre nach der Gründung sind es damit in Summe mehr als fünf Milliarden Euro, so die Zeitung – also Kundengelder, die den Banken fehlen.

Auch die anderen Zahlen können sich sehen lassen: Das Zinsportal hat nach eigenen Angaben 100.000 Kunden, die aus 170 Angeboten von mehr als 40 Partnerbanken – vor allem aus der Europäischen Union und dem weiter gefassten europäischen Wirtschaftsraum – auswählen können. Das Wachstum hat daher auch den Online-Zahlungsdienst Paypal angelockt, der sich vor Weihnachten an dem Unternehmen beteiligt hat.

Künftig ETFs im Angebot
Unangenehm wird es für die Banken aber nicht nur, weil Weltsparen ihnen Sparer abspenstig macht. Denn das Fintech nimmt bald auch Anlageprodukte wie börsennotierte Indexfonds ins Sortiment und erhöht so den Druck auf  etablierte Banken zusätzlich. Partner hierbei sind die Direktbank und Fondsplattform DAB BNP Paribas und der US-Vermögensverwalter Vanguard.

Bislang keine Ausfälle
Verbraucherschützer warnen der Zeitung zufolge regelmäßig vor den höheren Risiken der ausländischen Zinsangebote. Oft handelt es sich um kleinere Banken, die höhere Zinsen bieten müssen, weil ihnen der Zugang zum Kapitalmarkt fehlt. Darunter befinden sich Offerten wie jenes der J&T Banka aus Tschechien, die über das Portal für einjähriges Festgeld einen Zins von satten 1,15 Prozent bietet. Für dreijähriges Festgeld zahlen die Tschechen 1,7 Prozent.

Doch bislang haben Weltsparen-Kunden selbst bei der portugiesischen Banco Espírito Santo oder bei der bulgarischen Fibank keine Ausfälle zu beklagen, weil diese von ihren Staaten gerettet wurden. Hinzu kommt: Auch in den Mitgliedsländern der EU gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro je Kunde und Bank. (jb)