Weniger Arbeit, mehr Geld: So werben Banken um Fachkräfte
Der Personalmangel ist auch im Bankensektor zu spüren. Jetzt gehen einige Institute dazu über, sich mit zusätzlichem Urlaub attraktiver für Beschäftigte und Bewerber zu machen. FONDS professionell hat sich in der Branche umgehört – und nicht nur lobende, sondern auch kritische Stimmen eingefangen.
Vier-Tage-Woche, 80 Prozent Homeoffice, tarifliche Gehaltssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich – und jetzt auch noch Extra-Urlaub: Die Bankarbeitgeber tun einiges dafür, dem Fachkräftemangel zu begegnen. "Um unsere Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern und ein Zeichen in der Region zu setzen, kam bei uns die Idee von zehn zusätzlichen Urlaubstagen auf", berichtet Paul Heim, Vorstandschef der VR-Bank Südwestpfalz.
Die Volksbank startete das Projekt Anfang 2024 und befristete es zunächst auf zwei Jahre. Danach wird entschieden, ob es dauerhaft weitergeführt wird. "Wir befinden uns in der Grenzregion zwischen Frankreich und dem restlichen Bundesgebiet und sind sicherlich in besonderer Weise mit dem Konkurrenzkampf um Arbeitskräfte konfrontiert", sagt Heim. Die Öffnungszeiten der Filialen zu verringern oder diese sogar an einem Wochentag zu schließen, war keine Alternative. Viele Genossenschaftsbanken haben in den vergangenen Monaten für Aufsehen gesorgt, weil sie die Vier-Tage-Woche eingeführt haben. "Aus unserer Sicht liegt es aber innerhalb der genossenschaftlichen DNA, da zu sein, vor Ort zu sein für die Kunden und Kümmerer zu bleiben. Daher wollten wir auch weiterhin jeden Tag für unsere Kunden in der Südwestpfalz verfügbar sein", erläutert Heim.
"Wertschätzung für den besonderen Einsatz"
Auch die Volksbank Darmstadt Mainz schraubt die freien Tage nach oben, zumindest für einen Teil der Mitarbeiter. "Seit dem 1. Januar 2024 erhalten Serviceberater im Filialgeschäft 40 Tage Urlaub. Privatkundenberater bekommen seitdem 35 Tage Urlaub", erklärt Bereichsleiterin Silke Steinheimer. "Mit dem zusätzlichen Urlaub möchten wir unsere Wertschätzung für diesen besonderen Einsatz zeigen." Zudem könnten die Serviceberater nicht wie andere Mitarbeiter der Bank zeitweise von zu Hause aus arbeiten, da sie in den Filialen anwesend sein müssen. "Auch unsere Privatkundenbetreuer können nicht mobil arbeiten, sondern beraten die Kunden vor Ort", so Steinheimer.
Die Vorstände und die Verantwortlichen der Personalabteilungen lassen sich immer neue Dinge einfallen, um die Beschäftigten bei Laune zu halten. So gibt es bei der Volksbank Starnberg die Möglichkeit, neben den regulären 30 Tagen Urlaub zusätzlich ein bis zwei Wochen unbezahlten Urlaub im Jahr zu nehmen. Und bei der eingangs erwähnten VR-Bank Südwestpfalz bekommen die Mitarbeiter an ihrem Geburtstag frei, falls dieser auf einen Wochentag fällt. Zusätzlich gibt es ein Kontingent an weiteren freien Tagen, wenn es zu Hause pflegebedürftige Personen gibt.
Bis zu 16 Tage zusätzlich frei
Doch nicht nur Institute aus dem genossenschaftlichen Sektor, auch andere Banken agieren beim Thema Freizeit flexibler. So bietet die Sparkasse Köln-Bonn bereits seit mehreren Jahren die sogenannte "Primazeit" an. Angestellte können ihr 13. Gehalt und das Weihnachtsgeld in bis zu 16 Tage zusätzlichen Urlaub umwandeln. Von diesem Angebot wird rege Gebrauch gemacht, heißt es aus dem Institut.
Auch der Anfang April ausgehandelte neue Tarifvertrag für die Angestellten im öffentlichen Dienst, der für rund 200.000 Sparkassenmitarbeiter gilt, sieht vor, dass Teile des 13. Gehalts in bis zu drei zusätzliche freie Tage umgewandelt werden können. Ab 2027 bekommen außerdem alle Beschäftigten einen Urlaubstag mehr. Von der Deutschen Bank ist aus einigen Bereichen zu hören, dass Mitarbeiter statt einer Gehaltserhöhung mehr Urlaubstage wählen können. So spart die Bank Kosten – und der Mitarbeiter kann länger in den Urlaub fahren.
"Wir können es uns nicht leisten, immer weniger zu arbeiten"
Nicht alle stimmen in das Loblied über das "Mehr an Freizeit" für die Banker ein. Kritik kommt vor allem vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Nicht von ungefähr, denn in dessen Beritt häufen sich die Präzedenzfälle. "Die Einführung der Vier-Tage-Woche oder von 40 Urlaubstagen mag für ein einzelnes Institut eine Lösung sein, für die gesamte Finanzgruppe ist es das nicht. Angesichts der demografischen Entwicklung können wir es uns nicht leisten, immer weniger zu arbeiten", betont BVR-Vorstandsmitglied Tanja Müller-Ziegler.
Der einzelne Arbeitgeber habe mit "höchst unterschiedlichen individuellen Freizeitbedarfen" seiner Mitarbeiter umzugehen. Diese fielen nicht durchgängig an, sondern entstünden abhängig von Lebensphasen und Situationen. Darauf müssten die Arbeitgeber flexibel reagieren, wenn man die Mitarbeiter langfristig binden wolle. "Pauschale Ansätze, die losgelöst von den Bedürfnissen des Einzelfalls großzügig Freizeit an alle Mitarbeiter verteilen, verringern das Fachkräftepotenzial und verkleinern den Handlungsspielraum für Arbeitgeber", gibt Müller-Ziegler zu bedenken.
"Erhebliche Zweifel angebracht"
Dass die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigt werden kann, glaubt die Lobbyistin auch nicht: "Der Nachweis der unveränderten Produktivität bei einer generellen Reduzierung der Arbeitszeit ist nicht erbracht. Hier sind erhebliche Zweifel angebracht." Produktivität müsse ohnehin kontinuierlich wachsen, damit auch kontinuierlich steigende Löhne gezahlt werden könnten. "Hinzu kommt, dass der Wettbewerb nicht nur um Fachkräfte, sondern auch um die Kunden stattfindet, die ebenso wie die Mitarbeiter zeitliche Flexibilität im Umgang mit ihren Bedürfnissen und eine tägliche Erreichbarkeit erwarten", so Müller-Ziegler. (mh)
Im Kurz-Interview in FONDS professionell 2/2025 berichtet Paul Heim, Vorstandschef der VR-Bank Südwestpfalz, auf Seite 398 von den Erfahrungen seines Instituts mit den zusätzlichen Urlaubstagen. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.















