Die Anzahl unerwünschter Werbeanrufe ("Cold Calls") ist in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen. Auch die Strafgelder, die betreiber dubioser Callcenter und andere Gesellschaften für unerlaubte und unseriöse Telefonanrufe zahlen müssen, sind im laufenden Jahr rückläufig gewesen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Hintergrund der Entwicklung ist, dass Personen nur nach vorher gegebener Einwilligung kontaktiert werden dürfen – das sogenannte "Double-Opt-In"-Verfahren, das vor allem im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb von 2004 geregelt wurde. Seitdem gab es zwei Änderungen, die die Regeln noch einmal verschärften, zuletzt 2013. Das spüren auch Vermittler von Finanz- und Versicherungsprodukten: Einfach die Telefonlisten nehmen und fremde Personen anrufen geht nicht mehr. Sie müssen etwa den Umweg über entsprechend vorbereitete Kontakte – "Leads" – gehen, die Anbieter wie Finanzen.de oder Powerleads verkaufen.

Laut dem Handelsblatt verhängte die Bundesnetzagentur von Januar bis Mitte Oktober in 19 von 47.305 angezeigten unerwünschten Anrufen Strafen von insgesamt 435.000 Euro. Die Summe sei damit Stand Mitte Oktober um mehr als 50 Prozent niedriger als im gesamten Vorjahr. Ob die die schärferen Regeln tatsächlich Wirkung zeigen, darf bezweifelt werden. Ebenso gut ist etwas Anderes denkbar: Die Diskrepanz zwischen der Vielzahl an Beschwerden und den tatsächlich geahndeten unerlaubten Werbeanrufen führt die Regierung etwa darauf zurück, dass oft schicht die Angabe der Rufnummer fehle oder systematsich unterdrückt werde, von der aus angerufen wurde. Wer nicht weiß, wer ihn da belästigt, kann auch konkrete Anzeige erstatten. (jb)