Für börsennotierte Unternehmen ist der Geschäftsbericht einer der wichtigsten Wege, sich zu präsentieren – aber wem gegenüber eigentlich? Forscher der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) haben sich angeschaut, wer die Publikationen liest. Dafür haben sie über mehrere Monate hinweg mehr als 23.000 Nutzer digitaler Geschäftsberichte befragt. Das überraschende Ergebnis: Neben erwartbaren Adressaten wie Analysten (17 Prozent) oder privaten Aktionären (12 Prozent) gehören vor allem die Mitarbeiter der Unternehmen selbst (25 Prozent) zu den aufmerksamen Lesern.

Generell erreichen Geschäftsberichte ein breiteres Publikum als gedacht. Auch Studenten, Bewerber, Kunden, Lieferanten, Nachhaltigkeitsexperten, Journalisten und Vertreter von NGOs gehören dazu. "Neben der Financial Community richten sich Geschäftsberichte ganz klar auch an interne Zielgruppen und die breite Öffentlichkeit", fasst WU-Expertin Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder zusammen. Unternehmen sollten ihre Geschäftsberichte aufgrund dieser Erkenntnisse künftig so gestalten, dass sie der Vielfalt der Stakeholder gerecht werden, fordert sie. "Einige Konzerne haben ihre Berichte in den letzten Jahren auf reine Daten-Werke reduziert." Mittelbach-Hörmanseder hält das für einen Irrweg.

Nachhaltigkeit gehört zu den Top-Interessensgebieten
Die Studie zeigt auch, wofür sich Leser von Geschäftsberichten besonders interessieren. Nach ihren konkreten Interessen befragt nannten die Studienteilnehmer Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung (25,6 Prozent), Strategie (16,4 Prozent) und Nachhaltigkeit (14,1 Prozent) als wichtigste Punkte. Erst danach folgen Informationen zum Management (9,4 Prozent), zum geschäftlichen Ausblick (8,8 Prozent) sowie zum Unternehmen und seiner Aktie (8 Prozent). (fp)