"Wer nur am Index partizipiert, lässt viel Renditepotenzial liegen"
Christoph Bergweiler, Leiter des Geschäfts von J.P. Morgan Asset Management in Kontinentaleuropa, im Gespräch mit FONDS professionell über das Wachstum aktiver ETFs, die verschiedenen Zielgruppen für diese Produkte und die Frage, warum er die zunehmende Konkurrenz nicht fürchtet.
J.P. Morgan Asset Management möchte sich bei ETFs weiterhin auf aktiv gemanagte Strategien konzentrieren. "Im stark umkämpften Markt klassischer, kapitalisierungsgewichteter Standard-ETFs stehen wenige Anbieter mit enormen Skaleneffekten. Dort sind Margen niedrig und Differenzierungsmöglichkeiten begrenzt", sagte Christoph Bergweiler, Leiter des Geschäfts von J.P. Morgan Asset Management in Kontinentaleuropa, im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in Ausgabe 1/2026 erschienen ist. "Wir konzentrieren uns daher bewusst auf Bereiche, in denen wir unsere globale Research-Plattform und aktive Investmentexpertise einbringen können – insbesondere bei aktiven ETFs und innovativen, regelbasierten Strategien."
Bei aktiven ETFs gilt J.P. Morgan AM als Marktführer in Europa – rund die Hälfte des in entsprechenden Produkten verwalteten Vermögens entfällt auf die Fondssparte der US-Großbank. Im vierten Quartal vergangenen Jahres habe sein Haus auch die globale Marktführerschaft bei aktiven ETFs übernommen, berichtet Bergweiler. Um seine Wettbewerbsposition fürchte er angesichts der wachsenden Konkurrenz nicht. "Ich bin immer ein Fan davon, wenn Märkte kompetitiver werden", sagt er. "Ein wachsender Markt mit vernünftigem Marktanteil ist mir lieber als ein Nischenmarkt."
50 bis 100 Basispunkte Outperformance
Bergweiler rechnet damit, dass die Zahl der Wettbewerber weiter zulegt. "Die wesentliche Frage ist: Hat jemand die Portfoliomanagement-Kapazität, nachhaltig Mehrertrag zu liefern? Wenn ein Anbieter das Problem hat, Alpha im SICAV zu liefern, warum sollte er es im ETF können?" Er betont, dass für J.P. Morgan AM auch passive Lösungen eine Rolle spielen – sie seien wichtige Bausteine in Portfolios. "Unser Wachstum und unsere Marktführerschaft sehen wir jedoch vor allem dort, wo wir einen klaren Mehrwert liefern können – und das ist im Segment der aktiven ETFs."
Bergweiler ist überzeugt davon, dass sein Haus dieses Alpha liefern kann. "Wir können historisch zeigen, dass es möglich ist, mit kontrollierten Risikobudgets dauerhaft – nach Kosten – 50 bis 100 Basispunkte mehr als der jeweilige Index zu erbringen. Das ist über lange Zeiträume ein dramatischer Mehrwert." Die Größe seines Unternehmens sei dabei ein strategischer Vorteil: "Sie erlaubt Stabilität und sichert die Kapazität, in Research, Risikomanagement und Technologie zu investieren."
Drei wesentliche Zielgruppen
Bergweiler zufolge haben passive ETFs wesentlich dazu beigetragen, dass sich ein wachsender Teil der Bevölkerung als Selbstentscheider mit kapitalmarktbasierter Geldanlage beschäftigt. Das komme der gesamten Asset-Management-Branche zugute. J.P. Morgan AM profitiere gleich in doppelter Hinsicht, so Bergweiler: "Die Mehrheit unserer Zuflüsse in aktive ETFs kommt von Investoren, die bisher in passive ETF veranlagt waren und erkannt haben: passiv bleibt halt passiv."
Der Kontinentaleuropa-Chef von J.P. Morgan AM hat drei wesentliche Zielgruppen für aktive ETFs ausgemacht: Erstens große institutionelle Investoren, Dachfonds und Vermögensverwalter, die passive Bestände partiell optimieren wollten. "Zweitens jüngere, 'self-directed' Investoren, für die der ETF als Synonym für Kapitalanlage bekannter ist als der traditionelle Investmentfonds", so Bergweiler. Hinzu kämen als "ganz wichtiger Treiber" die Rentenreformen, etwa mit Blick auf das künftige Altersvorsorgedepot in Deutschland, bei dem Bergweiler zufolge "der ETF ein dominantes Vehikel" werden dürfte. "Gerade für die Altersvorsorge gilt: Wer langfristig nur am Index partizipiert, lässt viel Renditepotenzial liegen", betont er. "Der Unterschied zwischen 6,5 und sieben oder acht Prozent Rendite macht bei einem Sparplan von 100 Euro im Monat über 30 Jahre einen enormen Unterschied beim Endvermögen." (mel/bm)
Im ausführlichen Interview mit FONDS professionell, das in Ausgabe 1/2026 ab Seite 378 erschienen ist, spricht Christoph Bergweiler auch über den ELTIF-Trend, fehlgeleitete Regulierung, Subadvisory-Lösungen, Alternativen zur Bestandsprovision und die Frage, welche Bedeutung guter Vertriebsservice für Asset Manager hat. Angemeldete Leser können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS











