Die Commerzbank lässt sich die Komplettübernahme ihrer Online-Tochter Comdirect etwas kosten – sogar mehr als geplant. Wie das "Handelsblatt" unter Verweis auf den Kaufvertrag berichtet, hat das Geldhaus Petrus Advisers 15,15 Euro je Aktie bezahlt. Der aktivistische Investor hatte seinen Anteil an der Direktbank zunächst nicht verkaufen wollen. Nun hat er rund 30 Prozent mehr bekommen, als die Commerzbank Ende vergangenen Jahres allen Comdirect-Aktionären angeboten hatte.

Das allgemeine Angebot lag bei 11,44 Euro je Aktie. Momentan steht die Comdirect-Aktie bei 13,80 Euro. Für Petrus hat sich die Widerborstigkeit also gelohnt: Der Investor hielt acht Prozent an der Comdirect und kann sich jetzt über ein Aufgeld von rund 170 Millionen Euro freuen. Die Commerzbank hält mit dem Petrus-Aktienpaket nun mehr als 90 Prozent der Anteile an der Direktbank und will die übrigen Aktionäre mit einem sogenannten Squeeze-out loswerden.

Gleiches Recht für alle?
Für ein großes Aktienpaket müsse man eben mitunter eine Prämie zahlen, heißt es von der Commerzbank. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sieht das anders: Vizepräsidentin Daniela Bergdolt fordert laut "Handelsblatt", dass die Kleinaktionäre beim Squeeze-out denselben Preis bekommen, den Petrus erhalten hat. Dass es so kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Juristisch gesehen ist die Commerzbank mit der Extrawurst für Petrus im Recht, weil sie dadurch eine langwierige Übernahmeschlacht verhindert hat.

Für die Abfindung der restlichen Kleinaktionäre dürfte der Durchschnittskurs der Comdirect-Aktie in den letzten drei Monaten vor Ankündigung des Squeeze-outs hingegen eine wichtigere Rolle spielen als der Preis, den Petrus bezahlt hat, erklärt Wirtschaftsanwalt Christoph Seibt von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Der Kurs pendelte in diesem Zeitraum zwischen 12 und 14 Euro. (fp)