Die Fürstlich Castell'sche Bank hat im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang verbucht. Der Jahresüberschuss 2017 sank auf 2,3 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 4,6 Millionen Euro gewesen. Als Grund gibt das Traditionshaus das Niedrigzinsumfeld an. "Wir beobachten eine Erosion des Zinsertrags", sagte Klaus Vikuk, Vorstandsmitglied der Fürstlich Castell'schen Bank, bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Das Institut zog daraus seine Konsequenzen. "Den ruinösen Wettbewerb im Kreditgeschäft machen wir nicht mit", sagte Sebastian Klein, Vorstandschef des fränkischen Instituts. Das Haus habe daher darauf verzichtet, Kredite unter den Kosten auszugeben. Im Firmenkundenbereich habe das Institut damit bewusst auch auf unrentables Geschäft verzichtet. Der Zinsüberschuss ging von 17,4 Millionen im Jahr 2016 auf 14,8 Millionen Euro zurück. 2013 hatte er noch bei 21,3 Millionen Euro gelegen.

Provisionen sind der neue Zins
Demgegenüber kletterte der Provisionsüberschuss auf 16,5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 14,8 Millionen und vor fünf Jahren 12,4 Millionen Euro gewesen. "Damit hat erstmals, soweit überliefert, das Provisions- das Zinsergebnis überschritten", hielt Klein fest. Das Institut war 1774 gegründet worden und ist im Besitz der Familien Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell.

In der Vermögensverwaltung und in seiner Mischfonds-Palette habe das Haus erfreuliche Zuflüsse verzeichnet, was das Provisionsergebnis beflügelte. Zahlreiche Geldhäuser trachten in der Niedrigzinsphase danach, die Provisionseinnahmen zu steigern. Viele versuchen dies aber über Kontogebühren. Negativzinsen habe das Geldhaus allein im Firmenkunden-, nicht aber im Privatkundenbereich weitergegeben, betonte Vikuk.

Zudem überschattete ein Betrugsfall das Institut. Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte an der Bank vorbei Geschäfte mit Kunden eingefädelt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Dabei seien sowohl Kunden als auch das Institut geschädigt worden, erläuterte Klein. Nachdem sich erste Indizien für einen Betrugsverdacht ergeben hätten, habe die Bank Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht eingeschaltet. Berechtigte Forderungen der rund 50 betroffenen Kunden habe das Institut beglichen oder sei derzeit dabei, diese auszuzahlen, erläuterte Klein. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass Kunden einen Schaden erlitten haben, den das Geldhaus nicht begleicht, da die zweifelhaften Geschäfte offenbar gänzlich außerhalb des Institut abgewickelt wurden.

Betrugsfall überschattet Jahresergebnis
Das Institut habe nach dem Vorfall seine Kontrollmechanismen von einem externen Wirtschaftsprüfer abklopfen lassen. "Es gab keine Lücken in unserer internen Aufsicht", betonte Klein. Es habe sich bei diesem Fall um Geschäfte gehandelt, die nicht in der Bank getätigt wurden und die daher nicht zu erfassen gewesen seien. Dennoch habe das Haus in manchen Feldern zusätzliche Kontrollen durch die Revision eingeführt und die Mitarbeiter auf das Thema sensibilisiert. Eine "Handvoll" der betroffenen Kunden habe die Bank verlassen, einige seien jedoch wieder zurückgekehrt. Details zu dem Vorfall wollte Klein mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht nennen.

Angesichts dieses herausfordernden Umfelds habe das Institut ein solides Ergebnis erzielt. "Ohne den mutmaßlichen Betrugsfall hätte es ein sehr sehr gutes Jahr werden können", sagte der Vorstandsvorsitzende Klein. Der Jahresüberschuss werde nahezu vollständig thesauriert. Dies führte zu einer Stärkung der Kernkapitalquote auf zwölf Prozent.

Digitales Interesse
Das Geldhaus hatte jüngst eine digitale Vermögensverwaltung gestartet. "Castell Insight" ist zwar ein rein digitales Angebot, das nur börsengehandelte Indexfonds nutzt. Doch die Strategie bestimmen die Anlage-Experten des Instituts und kein Algorithmus. Obwohl das Projekt noch nicht richtig gestartet sein und weder groß beworben oder vermarktet werde, melden sich im Schnitt 30 Kunden pro Woche bei "Castell Insight" an, berichtete Klein. Das Haus hat demgegenüber zwei kleine Filialen im ländlichen Raum geschlossen, die ohnehin kaum mehr von den Kunden besucht worden seien. (ert)