Die DAB BNP Paribas zählt zu den wichtigsten Depotbanken Deutschlands für Finanzintermediäre. Das zur französischen Großbank BNP Paribas gehörende Institut in München betreut insgesamt über 50 Milliarden Euro für Kunden von 1.300 Geschäftspartnern, darunter Finanzportfolioverwalter, Pools und Finanzanlagenvermittler sowie Fintechs wie Raisin oder Ginmon. Robert Ulm, seit Juli 2021 Head of B2B, möchte den Partnerkreis und natürlich die betreuten Assets ausbauen – allerdings ohne Zukäufe oder Fusionen, wie er im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE betont. 

"Im Moment haben wir drei Geschäftsbereiche oder Kundengruppen, für die wir Depots und Konten führen sowie die übrigen technischen Abwicklungen übernehmen: erstens die unabhängigen Vermögensverwalter sowie gewerbliche Finanzberater, zweitens Digital Asset Managers und Fintechs und drittens die sogenannten 'Neobroker'. In diesem dritten Bereich betreuen wir im Moment aber nur einen Anbieter und werden das Angebot auch nicht weiter ausbauen", führt Ulm aus. Der Fokus werde vielmehr wieder verstärkt auf den Finanzportfolioverwaltern liegen, die nach wie vor die deutlich größte Kundengruppe sind.

Potenzial bei Vermögensverwaltern
Die Entscheidung, noch mehr auf die Vermögensverwalter zu setzen, hat Ulm zufolge mehrere Gründe. Grundsätzlich betrachtet das Institut Berater nicht als aussterbende Spezies. Gerade in Zeiten wie im Moment fordern Anleger Rat und Beratung ein. Weiter sieht die DAB BNP Paribas großes Potenzial bei Vermögensverwaltern und damit auch für sich. "Diese generieren sehr viel Neugeschäft bei Private-Banking-Kunden von Banken und Sparkassen. Für diese benötigen sie natürlich eine Depotbank – und da führt kaum ein Weg an uns vorbei", so Ulm. Man biete ein sehr gutes und interessantes Paket, zu dem auch gehört, dass mit der BNP Paribas eine internationale Großbank als Mutter im Rücken ist. 

Schließlich ist der Fokus auf die Finanzportfolioverwalter auch ein klares Signal an den Markt: "Man war sich in der Öffentlichkeit wegen der zunehmenden Zahl der Fintech-Kunden eine Zeit lang offenbar nicht mehr ganz klar, wofür die DAB BNP Paribas steht", erklärt Ulm und fügt sofort an: "Trotz unserem starken Schwerpunkt auf die unabhängigen Vermögensverwalter sperren wir aber natürlich keine anderen Finanzintermediäre aus, die mit uns zusammenarbeiten möchten." Außer Neobrokern. Für diese werde das Institut keine Abwicklungsplattform sein, weil die Infrastruktur nicht für großes Transaktionsvolumen ausgelegt ist. 

Zehn Millionen Euro für IT
Für die umworbenen Kunden hat die Münchner Depotbank in den vergangenen 18 Monaten die Modernisierung ihrer IT vorangetrieben und rund zehn Millionen Euro in die Infrastruktur gesteckt. "Wir bauen die DAB BNP Paribas zu einer digitalen Depotbank um. Damit ist der Plan verbunden, die einzelnen Services wie Onboarding und Depoteröffnung, Reporting, Handelssystem und Zugang zum Kernbankensystem auch den Kunden zur Verfügung zu stellen", sagt Ulm. Diese könnten dann wie aus einem Baukasten die Teile wählen, die sie möchten – auch abhängig von den Wünschen ihrer Endkunden. Denn immer mehr, vor allem Jüngere, erwarten papierfreie Services oder auch Online-Zugriff auf ihr Depot samt Reportings. Das gelte für Kunden von Vermögensverwaltern ebenso wie für Kunden von gewerblichen Finanzanlagenvermittlern. 

Nachhaltigkeit ist natürlich auch für die DAB BNP Paribas und ihre Mutter ein wichtiges Thema. Allerdings betreffen Depotbanken die für Berater so wichtigen Vorschriften der Offenlegungsverordnung, Taxonomie oder Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen ab dem 2. August nicht. "Brüssel hat uns hier keine regulatorischen Auflagen gemacht, wir haben uns das genau angesehen", so Ulm. Die Nachhaltigkeitspräferenzabfrage etwa sei Teil des Vertrages zwischen Anleger und Berater, nicht aber zwischen Depotbank und Kunden oder zwischen Depotbank und Berater. Dennoch wird das Institut seine Partner nicht im Regen stehen lassen. "Wir analysieren gerade mit dem bekannten Rechtsexperten Christian Waigel, inwieweit die DAB BNP Paribas unterstützen kann und vor allem auch darf", so Ulm. Im Moment habe man einfach zu wenige Informationen, ob man etwa auch Daten liefern darf, die Vermögensverwalter für ein ESG-konformes Reporting benötigen. Die Frage sei beispielsweise, ob es einen Datenlieferanten gibt, der Depotbanken die Erstellung solcher Reports für Kunden ermöglicht, ohne dass sie in die Haftung geraten. (jb)