"Wir raten davon ab": Sparkassenpräsident zu Kryptos für die Rente
Sparkassenpräsident Ulrich Reuter äußert sich im Interview zu Gewinnausschüttungen an Kommunen, Kreditvergabe, Baufinanzierung und den großen Personalherausforderungen der Branche – und warnt vor Kryptowährungen für die Altersvorsorge.
Ulrich Reuter, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), hat Forderungen nach höheren Gewinnausschüttungen seiner Institute zurückgewiesen. Das Geld sei bei den Sparkassen besser aufgehoben, etwa für Kreditvergaben. Das erklärte Reuter in einem Interview mit "Bloomberg News", in dem es unter anderem auch um Baufinanzierungen, Kryptohandel und den demografischen Wandel in der Branche ging.
Die Forderung, Sparkassen sollten mehr Mittel an ihre kommunalen Träger ausschütten, halte er "für Unsinn", erklärte Reuter bei dem Gespräch in Berlin. "Es ist nicht Aufgabe der Sparkassen, finanziell nicht ausreichend ausgestattete Kommunen vorübergehend vor dem Ertrinkungstod zu retten."
Hohe Gewinne – aber kaum Ausschüttungen
Die Sparkassen in Deutschland erzielten allein 2024 ein Betriebsergebnis vor Bewertungen von rund 17 Milliarden Euro, wie der Finanzbericht zeigt. Dennoch schütteten sie kaum Gewinne an ihre Träger – also Städte und Gemeinden – aus. Zahlen für 2025 liegen bislang nicht vor. Gleichzeitig verzeichneten die Kommunen im Jahr 2024 ein Rekorddefizit von etwa 25 Milliarden Euro.
Der Hessische Rechnungshof hatte vor diesem Hintergrund darauf hingewiesen, dass sich Kommunen fragen müssten, ob sie in solchen Zeiten auf Ausschüttungen verzichten wollten und könnten. Uwe Becker, Präsident des Rechnungshofs, schlug im Herbst vor, einen sogenannten "Ausschüttungspfad" für Sparkassengewinne festzulegen.
Ursachen statt Symptome bekämpfen
"Es ist besser, die Ursachen des Fiebers zu bekämpfen, als nur das Fieber selbst", sagte Reuter. "Es stellt sich die Frage, ob Kommunen genug vom gesamten Steueraufkommen abbekommen. Auch die Aufgabenteilung muss hinterfragt werden. Die Kommunen bekommen immer neue Aufgaben, aber nicht die dafür erforderlichen finanziellen Mittel."
Hohe Ausschüttungen durch die Sparkassen würden aus seiner Sicht letztlich die Möglichkeiten der Institute schwächen, Mittelstand, Handwerk und Gewerbe mit Investitionsmitteln zu begleiten. Für jeden Euro, den eine Sparkasse an ihre Träger abgebe, reduziere sich die Kreditvergabefähigkeit um mehrere Euro, erklärte Reuter.
Eigenkapital stärken, Kreditvergabe sichern
"Es ist im Interesse der Kommunen, die Sparkassen wirtschaftlich robust zu halten, damit diese ihre Gemeinwohlaufgaben wahrnehmen und die regionale Wirtschaft finanzieren können", sagte Reuter. Es sei richtig, das Eigenkapital der Sparkassen weiter auszubauen.
Im vergangenen Jahr hätten die Sparkassen deutliche Zuwächse bei Unternehmenskrediten verzeichnet. Gleichzeitig hinterlasse die schwache wirtschaftliche Lage Spuren in den Bilanzen der Institute. "Die Risikovorsorge wird 2025 höher ausfallen als im Vorjahr", sagte der Präsident.
Baufinanzierung zieht an, Neubau bleibt schwach
Bei der privaten Immobilienfinanzierung lag das Neugeschäft 2025 rund 20 Prozent über dem Vorjahreswert. Der überwiegende Teil entfiel dabei auf Bestandsobjekte, während sich beim Neubau weiterhin wenig tue.
"Es muss wieder mehr gebaut werden, um die Wohnungsversorgung bei vernünftigen Mieten sicherzustellen", sagte Reuter. Dafür müssten Standards reduziert werden, um die Kosten zu senken. Wichtig seien zudem Anreize für Ersterwerber, etwa finanzielle Prämien. Auch eine Reform der Grunderwerbsteuer könne ein Ansatz sein.
Einstieg in den Kryptohandel geplant
Ein neues Geschäftsfeld könnten die Sparkassen in diesem Jahr mit dem Handel von Kryptowährungen erschließen. Das Standardangebot werde von der Dekabank, dem Fondshaus der Sparkassen, kommen, sagte Reuter. Der Start sei für den Sommer geplant. Er könne jedoch nicht ausschließen, dass es innerhalb der Gruppe weitere Lösungen geben werde.
Die Sparkassen hatten sich lange gegen Kryptowährungen gesträubt, im vergangenen Jahr aber einen Richtungswechsel vollzogen. "Wir haben uns für ein Retailangebot entschieden, weil es inzwischen einen regulatorischen Rahmen für Kryptohandel gibt und wir die Nachfrage unserer Kundschaft zur Kenntnis nehmen", sagte Reuter.
"Für die Alterssicherung eignen sich Kryptowährungen nicht"
Zugleich betonte Reuter, dass das Angebot keine Empfehlung für Kryptowährungen darstelle. "Da stecken keine echten Werte dahinter. Für die Alterssicherung eignen sich Kryptowährungen nicht. Wir raten davon ab", sagte er.
Bitcoin und andere Kryptowährungen passten ohnehin nicht zur typischen Kundschaft der Sparkassen. Ein Großteil der Kunden komme derzeit kaum zum Sparen.
Demografischer Wandel als große Herausforderung
Deutlich stärker als das Kryptothema beschäftige die Sparkassen der demografische Wandel. Von den rund 195.000 Mitarbeitern der Sparkassen in Deutschland werden in den kommenden zehn Jahren etwa 120.000 in Rente gehen, sagte Reuter. Das stelle die Finanzgruppe vor erhebliche Herausforderungen.
"Bislang können wir das gut über Neueinstellungen abdecken. Zurzeit wächst der Personalbestand bei den Sparkassen sogar", sagte Reuter. Das sei sowohl 2023 als auch 2024 zu beobachten gewesen, nachdem die Mitarbeiterzahlen in den Jahren zuvor kontinuierlich gesunken waren. Finale Daten für 2025 liegen noch nicht vor.
"Je spezialisierter die Aufgabe, desto schwieriger wird es, geeignete Kandidaten zu finden", sagte Reuter. Neben Neueinstellungen setzten die Sparkassen daher verstärkt auf Ausbildung. "Wir bilden auch mehr aus, um sicherzustellen, dass Know-how in der Gruppe verbleibt", erklärte der Sparkassenpräsident. (mb/Bloomberg)














