Im wohl größten Skandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte erwies sich die Finanzaufsicht Bafin als zahnloser Tiger. Mehr noch: Einige Behördenmitarbeiter handelten jahrelang und zuletzt sogar äußerst lebhaft mit Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard – obwohl sie den Konzern eigentlich scharf hätten überwachen sollen. Der Präsident der Bafin, Felix Hufeld, hat seine Angestellten nun in Schutz genommen. "Ich weise mit aller Entschiedenheit zurück, dass wir etwas verheimlichen", sagte er nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) in Berlin.

Die Wirecard-Aktie sei die mit Abstand am stärksten gehandelte Aktie im deutschen Markt gewesen, im Vergleich dazu seien die Aufseher sogar "zurückhaltend" gewesen, erklärte der Bafin-Präsident der SZ und betonte: "Die haben nichts Unrechtes getan". Auch den Vorwurf des Insiderhandels schmetterte Hufeld ab. Alles sei rechtmäßig abgelaufen und genehmigt worden. 

Reger Handel – auch nach dem Kollaps
Konkret sollen der Aufsicht von Anfang 2018 bis zum 30. September 2020 in Summe 495 private Geschäfte von Mitarbeitern gemeldet worden sein, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Auskunft des Bundesfinanzministeriums an den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler. Hinzu kommen zwei Geschäfte im Jahr 2017. Die Aufseher handelten also auch noch nach dem Kollaps des Zahlungsdienstleisters munter weiter mit der Aktie. Allein im ersten Halbjahr 2020 waren es insgesamt 265 Transaktionen – davon 106 im Juni. (fp)