Der Münchener Dax-Konzern Wirecard hat angekündigt, mit einem eigenen Girokonto ins Bankengeschäft einzusteigen. Damit entwickelt sich das Unternehmen vom reinen Zahlungsdienstleister allmählich zum Kreditinstitut, stellt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) fest. Das neue Wirecard-Girokonto soll dabei nicht nur komplett gebührenfrei sein – sondern obendrein einen generösen Zins von 0,75 Prozent bieten. In Zeiten von Nullzinsen ist ein solches Angebot so gut wie konkurrenzlos. Mit der Offensive möchte Wirecard seine Kundenbasis vergrößern, sagte eine Unternehmenssprecherin der Zeitung. 

Der neue Service wird über die eigens errichtete Plattform "Boon Planet" laufen, die bereits seit drei Wochen live geschaltet ist. Neben dem Girokonto sind in Bälde weitere Dienstleistungen geplant, schreibt die SZ: Kredite, ein Dispozins in einstelliger Höhe sowie Sparpläne und Anlageprodukte. Wirecard möchte Boon Planet im nächsten Schritt zu einer Multibanking-Plattform ausbauen, die neben Bankgeschäften auch andere Dienstleistungen anbietet, etwa Versicherungspolicen oder Mietwagenservices. 

Große Pläne
Wirecard macht häufig Schlagzeilen: 2018 schaffte das Unternehmen den Sprung in das Leitbarometer Dax, erlebt seitdem wegen immer wieder aufkeimender Gerüchte um fragwürdige Bilanzierungspraktiken heftige Auf- und Abwärtsbewegungen an der Börse und erntet immer wieder Kritik. Jetzt demonstriert Wirecard mit dem neuen Bankservice Ambitionen – bis zum Jahr 2025 möchte das Unternehmen Hunderte Millionen Bankkunden gewinnen. Bis dahin soll Boon Planet nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit verfügbar sein. (fp)