Der Bilanzskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard könnte nicht nur für den Abschlussprüfer EY Konsequenzen haben, sondern für die gesamte Branche. So will Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) unter anderem den Austausch des Wirtschaftsprüfungsunternehmens alle zehn Jahre verpflichtend machen. Die Branche ist alarmiert. "Wirecard ist ein Einzelfall und muss als solcher behandelt werden", warnt Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Vorstandes des IDW Institut der Wirtschaftsprüfer, im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Es dürfe nicht darum gehen, die gesamte deutsche Wirtschaft unter Generalverdacht zu stellen.

Vor allem die geplante Verschärfung der Rotationsregel ist Naumann ein Dorn im Auge. Er sieht darin keinen erkennbaren Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal. Zudem könne man belegen, dass gerade der Wechsel zu einem anderen Bilanzkontrolleur zu mehr Prüfungsfehlern führe. Außerdem warnte Naumann vor einer höheren Marktkonzentration als ungewollte Folge.

Fokus auf gute Unternehmensführung
Auch die von Scholz geforderte schärfere Trennung von Abschlussprüfung und Beratung sieht Naumann kritisch. Das sei zumindest bei Wirecard kein Problem gewesen, wo das Entgelt für Nichtprüfungsleistungen von EY beim Jahresabschluss 2018 bei lediglich 20 Prozent des Gesamthonorars gelegen habe. Zulässig sind 70 Prozent.

Im Gespräch mit der Zeitung plädiert er stattdessen dafür, den Fokus auf die gute Unternehmensführung (Governance) eines Unternehmens zu legen. "Bei funktionierender Governance ist die schärfere Trennung von Prüfung und Beratung irrelevant, weil der Aufsichtsrat den besten Prüfer auswählen würde und ein strenges Auge darauf hätte, dass die 70-Prozent-Marke für zulässige Nichtprüfungsleistungen eingehalten würde“, betonte Naumann. Zu einer guten Unternehmensführung gehöre ein funktionierendes Compliance-Management-System, das ein regelkonformes Verhalten im Unternehmen sicherstellt und "damit wirtschaftskriminellen Handlungen vorbeugen soll.“ Dieses System sei in Zukunft stärker der Prüfung durch den Wirtschaftsprüfer zu unterziehen. (fp)