Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) verstößt seit Jahren gegen die Vorschrift, die Gesamtvergütung ihres Vorstands offenzulegen. Öffentlich wurde diese Praxis nun durch einen Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ).

Wegen des Verstoßes gegen das Handelsgesetzbuch (HGB) haben die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die die Bücher des Frankfurter Finanzvertriebs prüfen, jüngst nur ein "eingeschränktes Prüfungsurteil zum Konzernabschluss" erteilt. "Entgegen § 314 Abs. 1 Nr. 6 Buchst. a) HGB wurden im Konzernanhang die Gesamtbezüge der Vorstandsmitglieder nicht angegeben", bemängeln die Wirtschaftsprüfer in ihrem im März erteilten "Bestätigungsvermerk" zum Abschluss für das Jahr 2018. In den Vorjahresberichten finden sich vergleichbare Passagen.

Unternehmen pocht auf Ausnahmeregel
Das Handelsgesetzbuch schreibt Aktiengesellschaften vor, dass die Gesamtbezüge des Vorstands offenzulegen sind. Dieser Pflicht kommt die DVAG jedoch bewusst nicht nach. "Die Deutsche Vermögensberatung hat sich bezüglich der Angaben zu den Bezügen des Vorstandes bereits vor Jahren dazu entschlossen, von der Ausnahmeregelung gemäß Paragraf 286 Absatz 4 des Handelsgesetzbuches Gebrauch zu machen", teilte eine Sprecherin auf Anfrage der SZ mit.

In dem genannten Paragrafen heißt es: "Bei Gesellschaften, die keine börsennotierten Aktiengesellschaften sind, können die (…) verlangten Angaben über die Gesamtbezüge (…) unterbleiben, wenn sich anhand dieser Angaben die Bezüge eines Mitglieds dieser Organe feststellen lassen." Die SZ weist allerdings darauf hin, dass der DVAG-Vorstand zehn Mitglieder umfasst, sich also aus der Gesamtsumme beispielsweise nicht auf das Jahresgehalt von DVAG-Chef Andreas Pohl schließen lasse.

DVAG möchte sich nicht weiter äußern
Der SZ zufolge sticht der Einwand der DVAG nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer ohnehin nicht: "Wenn die Nicht-Veröffentlichung der Bezüge rechtmäßig wäre, dürfte KPMG den Prüfungsbericht nicht einschränken", heißt es in dem Artikel. Die DVAG teilte auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit, über das in der SZ veröffentlichte Zitat hinaus zu diesem Thema nicht weiter Stellung beziehen zu wollen. (bm)