Wochen, vielerorts sogar Monate mussten Restaurants und Kneipen in Deutschland im Zuge der Covid-19-Pandemie ohne Umsätze klar kommen. Nun sind die Reserven vieler Wirte aufgebraucht – zahlreiche Betriebe dürften die Krise nicht überleben. Das ist nicht nur traurig für Gäste, Wirte und ihr Personal, sondern könnte auch für den sozialen Zusammenhalt schlecht sein, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) aus der Rede des Ökonoms Justus Haucap beim Festival "Pint of Science".

Denn die Lokale ums Eck sind keinesfalls nur Orte, um den Durst zu stillen. Vielmehr geht es um den Austausch. "In den Kneipen entsteht so etwas wie Sozialkapital", sagte Haucap auf der Veranstaltung und verwies auf den US-Ökonom Albert Hirschman. Der stellte heraus, dass Tischgemeinschaften kein klassisches privates Gut sind, wie es Wirtschaftswissenschaftler etwa für Brötchen annehmen: Sobald einer ein Brötchen gekauft hat, steht es für den nächsten nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen hätten Wirtshäuser Elemente eines sogenannten Kollektivguts.

Ein kleiner Rausch stärkt das Vertrauen
Sie dienen also der Allgemeinheit – und das auf beeindruckende Art und Weise. Beim geselligen Beisammensein tauschen die Anwesenden nützliche Informationen aus, zum Beispiel wo gerade eine Wohnung frei wird. Außerdem fördert der Austausch das gegenseitige Vertrauen. "Wenn man sich vertraut, steigt die Arbeitsproduktivität, weil man sich nicht ständig kontrollieren muss", erklärte Haucap. Nicht umsonst habe sich in vielen Firmen etabliert, nach Feierabend gemeinsam ein Gläschen zu konsumieren. "Wenn du mit anderen Menschen einen trinken gehst, dann besteht zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass du dich verplappern könntest", sagte Haucap. Wer etwas zu verbergen habe, überlege sich das im Vorfeld. Somit dient ein moderater, gemeinsamer Rausch der Vertrauensbildung. (fp)