Weltspartag einmal anders: Statt wie in der guten alten Zeit vor 2008 fürs Sparen zu werben, wollen am 29. Oktober die Verbraucherzentrale (VZ) Sachsen, die Bürgerbewegung Finanzwende und das Verbraucherportal Finanztip im Rahmen einer Protestaktion vor dem Hauptsitz der Sparkasse Leipzig demonstrieren. Die Forderung von prominenten Namen wie Hermann-Josef Tenhagen (Finanztip), Gerhard Schick (Bürgerbewegung) und Andreas Eichhorst (VZ Sachsen) dabei ist: "Zahlt endlich die Zinsen!"

Das Aktionsbündnis entstand nach eigenen Angaben als Reaktion auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 6. Oktober: Das oberste deutsche Gericht entschied, dass die Sparkasse Inhabern sogenannter "Prämiensparverträge" lange Jahre viel zu geringe Guthabenzinsen berechnet habe – und diese nun nachzahlen muss. Im Schnitt geht es Berechnungen der VZ Sachsen um durchschnittlich 3.600 Euro pro Vertrag. Die Sparkasse Leipzig und diverse andere Geldinstitute, die von dem Urteil wegen ähnlich gestrickter Angebote letztlich ebenfalls betroffen sind, haben sich aber fürs Nichtstun entschieden. Unter anderem, weil das Oberlandesgericht Dresden erst noch festlegen muss, welcher Referenzzinssatz als Grundlage für die Berechnungen der Langfristverträge hergenommen werden muss.

Kein Pappenstiel: Es geht um eine Million Verträge
Die Organisatoren der Demonstration treibt vor allem auch der Zeitfaktor um: Bei Verträgen zahlreicher Sparkassen, die 2018 beendet wurden, droht bereits Ende 2021 die Verjährung der Ansprüche. Die Kunden werden also gezwungen, ihre Ansprüche selber auf dem Rechtsweg durchzusetzen, um so die Uhr zu stoppen. Selbst die Finanzaufsicht Bafin, die die Institute mit einer Allgemeinverfügung zu Zahlungen zwingen möchte, rät den Besitzern der Sparverträge, zivilrechtlich einer Verjährung vorzubeugen. Die Behörde geht davon aus, dass es bundesweit um rund eine Million Prämien- oder Bonussparverträge mit strittigen Zinsanpassungsklauseln geht. (jb)