Ist das die Zinswende? Tagesgeld wird zumindest erstmals seit Oktober 2015 für Sparer wieder attraktiver – wenigstens auf den ersten Blick. Wie die Unternehmensberatung Barkow Consulting berichtet, haben sich die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen in Deutschland von Oktober auf November 2018 verdoppelt.

Doch wer jetzt sein Wertpapierdepot auflöst und alles umschichtet, könnte falscher kaum handeln: Denn de facto kletterten die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen gerade mal von 0,01 auf 0,02 Prozent. Nach Inflation machen Sparer also nach wie vor Miese. Die Deutsche Bundesbank hat den Barkow-Bericht mittlerweile bestätigt, meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Hintergrund für den überraschenden Zinsanstieg dürften laut Barkow-Consulting-Chef Peter Barkow vor allem temporäre Zinsanhebungen großer Spieler im Tagesgeldgeschäft gewesen sein. Die ING Diba etwa hatte im erwähnten Zeitraum damit geworben, vier Monate lang garantiert ein Prozent Zinsen aufs Tagesgeld zu zahlen. Das Angebot galt – anders als vielfach üblich – nicht nur für Neu-, sondern auch für Bestandskunden.

Keine dauerhaft höheren Zinsen
Der gestiegene Durchschnitts-Zinssatz beim Tagesgeld läutet also wohl nicht die langersehnte Zinswende für deutsche Sparer ein, so Barkow. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer kurzfristigen Zinspolitik bislang nichts geändert.

Viele Geldinstitute sind skeptisch, ob die EZB im laufenden Jahr überhaupt einen Zinsschritt wagen wird. In einer FAZ-Umfrage gab die Mehrheit der befragten Institute an: Selbst wenn die Notenbank die negativen Einlagezinsen für Banken in Richtung null verschiebt, werde es für Sparer 2019 keine höheren Zinsen geben. (fp)