Zukunftsreport Banken: KI-Kompetenz wächst, Skalierung stockt
Technologie und KI gewinnen in deutschen Banken an Bedeutung, vor allem bei den Kompetenzen der Beschäftigten. Der Schritt von Einzelprojekten zu produktiven, skalierbaren Prozessen gelingt nach den vorläufigen Ergebnissen einer Studie aber noch nicht durchgängig.
Die Banken in Deutschland sehen sich in Bezug auf ihre Zukunftsfähigkeit leicht besser aufgestellt als noch im Vorjahr. Gleichwohl bleibt die Umsetzung strategischer Vorhaben eine zentrale Baustelle. Beides geht aus den vorläufigen Ergebnissen des "Zukunftsreports Deutsche Finanzwirtschaft für 2027" der Wow-Banking-Initiative hervor, für den 397 Institute befragt wurden.
Die unter der Leitung von René Schleus, Professor an der Fachhochschule für die Wirtschaft (FHDW) Hannover, durchgeführte Studie bewertet Banken in sechs Dimensionen: Technologie und künstliche Intelligenz, Customer Experience, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung, regulatorische Resilienz sowie strategische Geschäftsmodell- und Ertragsfähigkeit. Letztere Kategorie wurde erstmals aufgenommen. Die Beurteilung erfolgt auf einer Skala von 1 für eine sehr hohe bis 5 für eine sehr geringe Zukunftsfähigkeit.
Strategie weiter als die Umsetzung
Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die auch im Vorjahr bereits Teil der Erhebung waren, verbesserte sich der durchschnittliche Wert laut Wow-Banking von 3,0 auf 2,9. Wegen der neuen Bewertungskategorie und der erstmals einbezogenen Privatbanken sei der Gesamtvergleich zur vorherigen Ausgabe allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig, heißt es zu den Ergebnissen der Initiative.
Besonders deutlich sei die Diskrepanz zwischen strategischer Orientierung und operativer Realisierung. Die Institute hätten bei der Entwicklung ihrer Zukunftsstrategien vergleichsweise gute Werte erreicht, deren Umsetzung bleibe jedoch zurück. Es mangele weniger an guten Ideen als an der konsequenten Umsetzung, hieß es von den Initiatoren der Studie.
Personalisierung bleibt ein Problem
Als besonders schwach bewertet der Report die sogenannte Customer Experience. Zwar hätten sich die Werte in diesem Bereich insgesamt leicht verbessert. Vor allem bei der Personalisierung von Kundenerlebnissen gebe es aber weiterhin erheblichen Nachholbedarf. Entscheidend sei, personalisierte oder hyperpersonalisierte Angebote nicht nur punktuell, sondern entlang der gesamten Kundenbeziehung umzusetzen.
Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz zeigt die Studie ein gemischtes Bild. In der Dimension Technologie und KI seien Fortschritte erkennbar, insbesondere bei den Kompetenzen der Mitarbeiter. Zugleich bestehe Potenzial, KI-Anwendungen aus Pilotprojekten in produktive und durchgängige Bank- und Kundenprozesse zu überführen und dort zu skalieren. Die Umfrage misst damit nicht nur die technische Einführung, sondern auch die Fähigkeit der Institute, neue Technologien in ihre Geschäftsabläufe einzubetten.
Privatbanken erstmals berücksichtigt
Von den 397 teilnehmenden Instituten entfallen 208 auf Genossenschaftsbanken, 113 auf Sparkassen und 76 auf die erstmals berücksichtigen Privatbanken. Das entspricht laut den Urhebern der Studie Anteilen von 52, 29 und 19 Prozent. Die Initiative sieht darin basierend auf eigener Einschätzung eine gute Annäherung an die Verteilung dieser drei Bankengruppen in der Grundgesamtheit.
Die vorläufigen Ergebnisse wurden am 1. September beim Wow-Banking-Zukunftsdialog in Frankfurt vorgestellt. Der vollständige Report soll am 1. Oktober veröffentlicht werden und konkrete Handlungsempfehlungen enthalten. Für Banken ist die Untersuchung vor allem als Hinweis zu lesen, dass die digitale Transformation nicht allein an Strategiepapieren oder einzelnen KI-Anwendungen gemessen wird, sondern an der belastbaren Umsetzung in Kundenschnittstellen, Kernprozessen und Geschäftsmodellen. (hh)















