Ein Anlageratschlag besagt: Je näher Investoren dem Rentenalter kommen, desto weniger Aktien sollten sie im Depot haben. "Hundert minus Lebensalter" lautet eine bekannte Faustregel. Ein 60-Jähriger dürfte demnach eine Aktienquote von höchstens 40 Prozent haben. Solche vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten sind allerdings überholt, sagt Postbank-Expertin Katrin Chrambach. "Die Niedrigzinsen stellen viele Geldanlageregeln infrage", erklärt sie. Wer nicht will, dass die Inflation die Ersparnisse dezimiert, komme um Aktien heute kaum herum – "Rentner nicht ausgenommen".

Die steigende Lebenserwartung spricht ebenfalls dafür, Aktieninvestments auch im Ruhestand in Betracht zu ziehen. Ein 60 Jahre alter Mann hat heute durchschnittlich noch 21,8 Lebensjahre vor sich, eine Frau gleichen Alters kann im Schnitt mit weiteren 25,4 Jahren rechnen. Das ist deutlich mehr als noch vor wenigen Jahrzehnten. "Laut Statistikexperten wird sich dieser Trend fortsetzen, sodass heute auch Senioren Geld in Produkte mit einem langfristigen Anlagehorizont investieren können", sagt Chrambach.

Worauf ältere Anleger achten sollten
Ein Aktienportfolio für Senioren sollte etwas anders aufgebaut sein als eines für jüngere Anleger. Ältere Investoren sollten verstärkt auf Substanzwerte setzen, rät die Postbank-Expertin. Die Aktienkurse substanzstarker Unternehmen schwanken nämlich weniger stark als die von Wachstumsfirmen. "Zudem zahlen sie ihren Aktionären häufig eine regelmäßige Dividende aus, die Kursschwankungen ausgleichen kann."

Interessant für Senioren seien auch Dividendenfonds, die auf ausschüttungsstarke Aktien setzen. Wollen ältere Anleger regelmäßig Geld aus ihrem Anlagevermögen entnehmen, bietet sich laut Chrambach ein klassischer Investmentfonds mit einem Auszahlplan an. Anteile lassen sich bei diesen Produkten in der Regel kostenlos zurückgeben. (fp)