Die Allianz übernimmt das Vermittlungs-Portal Finanzen.de. Der Kauf ist Teil ist einer Vertriebsoffensive von Deutschlands führdendem Versicherer, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet. Zwar gebe es noch ein "paar Unwägbarkeiten", ein Sprecher der Allianz habe das Geschäft aber im Grundsatz bestätigt, bei dem die Investmenttochter Allianz X das Portal aus den Händen des US-Finanzkonzerns Eli Global kauft, der es selbst erst 2018 erworben hatte, so die SZ. 

Finanzen.de ist nach eigenen Angaben der größte Lead-Generator Deutschlands und liefert monatlich Daten von bis 50.000 Interessenten für Versicherungen an Vermittler aus. Die Gesellschaft mit Hauptsitz in Berlin hat rund 130 Mitarbeiter und rechnet laut SZ für 2019 mit einem Umsatz von 50 Millionen Euro. 

Leads weiterhin wichtig
Der Kauf hat aus Sicht der Allianz reichlich Charme, da sie so uneingeschränkten und vor allem rechtssicheren Zugang zu potenziellen Kunden erhält. Versicherer fahnden überall nach Neugeschäft, und da viele Verbraucher Informationen und Preisvergleiche zu Versicherungen über das Internet recherchieren, muss die Assekuranz auch hier präsent sein. Daher hat die Allianz auch schon einen Online-Versicherer gegründet. Das alleine reicht aber offensichtlich nicht, da die Werbung für diesen im Internet teuer ist. Abschlüsse über die beiden Internet-Vergleichsportale Check24 und Verivox sind ebenfalls nicht gratis zu haben.

Daher macht es Sinn, weitere Datensätze zu sammeln, die Anbieter wie Finanzen.de mithilfe vieler verschiedener Partner und sogenannten "Leading Pages" generieren. Letztere präsentieren sich zumeist ebenfalls als Vergleichsportale für Versicherungen. Bei vielen Produkten – vor allem komplexen wie Lebenspolicen – steckt aber nicht ein eigener oder ein fremder Vergleichsrechner dahinter. Interessenten werden stattdessen gebeten, ihre Kontaktdaten einzugeben, damit ein Vermittler sich bei ihnen zurückmeldet. Und eben diese wertvollen Daten verkaufen die Lead-Portale.

Kaufgrund: DSGVO
Laut der SZ ist es unter den neuen, schärferen Datenschutzregeln im Zuge der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für Versicherer immer komplizierter, Leads von konzernfremden Firmen zu verwenden. Sie können nämlich nie sicher sein, dass bei deren Gewinnung alle Regeln rechtskonform eingehalten wurden. Wenn aber der Lead-Sammler zur eigenen Gruppe gehört und dadurch die eigenen Datenschutzstandards gelten, gibt es das Problem nicht, so die Zeitung. Das sei ein wichtiger Grund für die Entscheidung der Allianz gewesen, Finanzen.de zu kaufen und nicht nur eine Kooperationsvereinbarung zu suchen.

Eine Anfrage der Redaktion, ob Finanzen.de künftig exklusiv für die Allianz Leads sammeln wird oder weiterhin auch Vermittler von anderen Gesellschaften beliefert, hat das Portal bis Redaktionsschluss für diesen Newsletter nicht beantwortet. (jb)