Die Ratingagentur Scope hat Anlegern für ein zu gutes Bond-Rating eine Entschädigung gezahlt und ist damit einem Gerichtsurteil zuvorgekommen, berichtet das "Handelsblatt". Scope hatte Anleihen des Schiffes "MS Deutschland", des "Traumschiffs" aus der gleichnamigen ZDF-Serie, mit der Note "A" bewertet. Das Urteil der Analysten: Gute Qualität bei geringem Risiko. Kerstin K. und ihr Ehemann investierten  – durch die Einschätzung von Scope ermutigt – im Jahr 2012 insgesamt 20.000 Euro in "Traumschiff"-Bonds. Zwei Jahre später war das Unternehmen hinter dem Schiff pleite, das Geld des Paares weg.

Kerstin K. und ihr Mann sahen sich durch das Scope-Rating getäuscht und zogen vor Gericht. Der Ratingagentur war offenbar viel daran gelegen, es gar nicht erst zu einem Urteil kommen zu lassen: Das Unternehmen erstattete den Klägern über den Scoe-Rechtsvertreter vor Beginn des dritten Verhandlungstages die geforderte Summe sowie Anwalts- und Prozesskosten. "Dazu konnten wir nicht mehr nein sagen", erklärte der Anwalt von Kerstin K., Wolfgang Schirp, laut "Handelsblatt".

Die nächste Welle rollt an
Scope wollte eine Gerichtsentscheidung womöglich deshalb vermeiden, weil sie wegweisend für eine wichtige Frage hätte sein können: Kann man Ratingagenturen im Nachhinein für ihre Bewertungen haftbar machen? Die großen Bontitätswächter S&P, Moody’s und Fitch wurden in der Finanzkrise heftig kritisiert, weil sie hochkomplex strukturierte Anlageprodukte, die die Krise mit ausgelöst hatten, mit Top-Noten bewertet hatten. Auch sie legten Investoren-Klagen durch Vergleiche bei.

Das Traumschiff-Desaster dürfte für Scope noch ein Nachspiel haben. Die Anwälte der Kanzlei Schirp & Partner haben laut Zeitungsbericht bereits eine zweite Klage bezüglich der "MS Deutschland"-Bonds eingereicht, diesmal für einen institutionellen Investor, der sogar drei bis vier Millionen Euro Schadenersatz fordert. Das zugehörige Verfahren soll im April kommenden Jahres beginnen. (fp)