Der BVI bescheinigt Deutschland einen "beispiellosen Reformstau zulasten der Sparer". Im Jahr der Bundestagswahl appelliert der Fondsverband deshalb an die Parteien, "so schnell wie möglich Richtungsentscheidungen zu zentralen Finanzthemen" zu treffen.

"Die Politik muss jetzt endlich handeln", sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter auf der Jahrespressekonferenz des Verbands. "Das betrifft die im Koalitionsvertrag vereinbarte Riester-Reform und die seit Jahren überfällige Entlastung der Kleinsparer." Richter vergleicht die Altersvorsorge in Deutschland mit einem Haus mit drei Stockwerken: "Alle drei sind sanierungsbedürftig – gesetzliche Rentenversicherung, Zusatzversorgung durch die Betriebs- und Riester-Rente und die private kapitalgedeckte Altersvorsorge."

"Der Bundesfinanzminister lässt 16 Millionen Riester-Sparer im Stich"
Die gesetzliche Rentenversicherung sei zunehmend auf Steuerzuschüsse angewiesen. Um das System auf eine breitere Finanzierungsbasis zu stellen, plädiert der BVI für eine ergänzende kapitalmarktgedeckte Komponente. Der gesetzliche Rentenbeitrag von aktuell 18,6 Prozent würde entsprechend gesenkt, sodass die Beitragsbelastung gleichbliebe. "Ein Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge wäre ein Irrweg. Eine staatlich organisierte, zusätzliche Kapitaldeckung als Ergänzung zur gesetzlichen Rente hingegen wäre sinnvoll", meint Richter.

Um die Rentenlücke der Bürger zu schließen, reiche eine kapitalgedeckte Komponente in der ersten Säule jedoch nicht. Deshalb plädiert der BVI zusätzlich für Änderungen in der geförderten privaten Altersvorsorge. Sie müsse grundlegend überarbeitet werden, auch weil die im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform der Riester-Rente in der laufenden Legislatur zu scheitern drohe. "Der Garantiezwang bei gleichzeitig negativen Zinsen kostet über 16 Millionen Riester-Sparer seit Jahren unnötig Rendite, aber der Bundesfinanzminister lässt sie im Stich, indem er die vereinbarte Reform verschleppt", so Richter.

Sparer-Pauschbetrag Jahr für Jahr mitnehmen
Um die private Altersvorsorge weiter zu fördern, bringt der BVI eine Erhöhung des Sparer-Pauschbetrags in die Diskussion. "Verbraucherpreisindex, Rentenwert, Grundfreibetrag und Beitragsbemessungsgrenzen steigen seit Jahren regelmäßig, während der Sparer-Pauschbetrag gesenkt wurde und heute noch auf dem Niveau von 2007 verharrt", sagt Richter. Verglichen mit dem Jahr 1993 beträgt er sogar nur noch ein Viertel des damaligen Wertes von rund 3.200 Euro. "Wenn die Politik die Sparer nicht länger vernachlässigen will, muss der Pauschbetrag erhöht und an die künftige Inflation und Lohnentwicklung gekoppelt werden."

Der BVI schlägt eine Anhebung von 801 auf 1.000 Euro für Alleinstehende vor, bei Paaren soll der Betrag auf 2.000 Euro steigen. "Außerdem sollten Sparer nicht aufgebrauchte Pauschbeträge Jahr für Jahr mitnehmen und ansammeln können, um bei Realisierung der Kapitalanlage davon zu profitieren", fordert der Verband. Berechnungen des BVI zeigten, dass ein Sparer, der beispielsweise 15 Jahre lang monatlich 200 Euro in einen thesaurierenden Aktienfonds mit einer Wertentwicklung von vier Prozent pro Jahr anlegt, dadurch 4,7 Prozent mehr Rendite als bisher erzielen würde. Statt wie bislang knapp 46.900 Euro hätte er am Ende rund 49.100 Euro auf dem Konto. (bm)