Die Reform der privaten Altersvorsorge in Deutschland könnte pro Jahr zusätzliche Anlagegelder in deutlich zweistelliger Milliarden-Euro-Höhe mobilisieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von S&P Global Ratings aus dieser Woche. Profiteure dürften demnach unter anderem Banken mit Asset-Management- und Investment-Angeboten sein.

"Wir glauben, dass die Reform zusätzliche jährliche Nettozuflüsse im Bereich der privaten Altersvorsorge in Deutschland in Höhe von 26 bis 56 Milliarden Euro nach einer Einführungsphase von zwölf bis 24 Monaten freisetzen könnte", heißt es in dem Papier. Die Umwälzungen "könnten dem Finanzdienstleistungsmarkt des Landes neuen Schwung verleihen".

Neues Vorsorgedepot ersetzt Riester
Der Bundestag hatte die Reform der privaten Altersvorsorge im März beschlossen. Damit soll das bisherige Riester-Sparen ersetzt werden. Kernpunkt ist die Schaffung eines Altersvorsorgedepots, in dem die Bürger mit Anleihen, Fonds und ETFs für das Alter sparen können.

Geplant ist sowohl ein staatliches Angebot als auch Produkte von Finanzdienstleistern. Die Analyse von S&P zum Potenzial der Reform berücksichtigt beide Varianten.

Banken wittern neue Geschäftschancen
"Die Reform bietet Banken eine signifikante Chance", erklärte S&P. Es dürfte zu einer stärkeren Teilnahme und zu Cross-Selling-Möglichkeiten kommen, "wodurch die kapitalleichten Gebühreneinnahmen der Banken gesteigert werden".

Digitalbanken und Neobroker seien bereits vorgeprescht. Doch auch traditionelle Banken hätten "ein erhebliches Potenzial", die Verbreitung ihrer Asset-Management-Produkte zu steigern, indem sie ihre bestehenden, engen Beziehungen zu Kunden nutzen.

Ein Selbstläufer ist die Reform für Banken nach Einschätzung von S&P jedoch nicht. Denn das geplante staatliche Produkt dürfte wohl attraktiv bepreist werden. Dies könne den Vertrieb von höher bepreisten Bankprodukten beeinträchtigen.

In Deutschland gibt es in allen drei Säulen des Bankensystems eigene Asset-Management-Anbieter. Die Sparkassen besitzen das Fondshaus Dekabank, die Genossenschaftsbanken betreiben Union Investment und im privaten Sektor gibt es unter anderem die DWS der Deutschen Bank.

Versicherer unter Wettbewerbsdruck
Deutsche Lebensversicherer werden laut S&P ebenfalls von der Reform profitieren, dürften jedoch mit zunehmendem Wettbewerb konfrontiert werden. Deshalb könnten sie gezwungen sein, die Kostenstrukturen ihrer Produkte anzupassen und ihre Vertriebsstärke auszuspielen. 

Bei der Riester-Reform im Jahr 2002 hatte der deutsche Lebensversicherungssektor stärker als Banken und Asset Manager profitiert, so S&P. "Im Zuge der bevorstehenden Reform sehen wir Wachstumspotenzial für Versicherer, aber es ist unwahrscheinlich, dass Versicherer einen ähnlichen Marktanteil am zusätzlichen Potenzial erzielen werden wie unter den bestehenden Riester-Verträgen", hieß es. (mb/Bloomberg)