Altersvorsorgedepot? Gern, aber bitte mit Garantie
Drei von vier Bundesbürgern können sich vorstellen, einen Altersvorsorgedepot-Vertrag abzuschließen. Aber: Die meisten würden dafür ein Produkt mit voller Beitragsgarantie wählen, zeigt eine Studie der Universität Kassel und der Universität Paderborn.
Die Bundesbürger haben durchaus Interesse an den von der Regierung geplanten Altersvorsorgedepot-Verträgen. Drei von vier Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, ein solches Modell zu nutzen. Dies zeigt eine Erhebung der Universität Kassel und der Universität Paderborn, gefördert von der Stiftung Mercator. Befragt wurden 1.726 Teilnehmer, die bereits Investments tätigen oder sich mit dem Thema Geldanlage zumindest konkret auseinandergesetzt haben.
Doch die Medaille hat eine Kehrseite: Auf die Frage, welche vier Varianten, die künftig für die staatlich geförderte private Altersvorsorge bereitstehen werden, sie wählen würden, nennen 47 Prozent das Produkt mit voller Beitragsgarantie. 40 Prozent würden eine 80-Prozent-Garantie bevorzugen, 34 Prozent das kostengünstige Standarddepot und lediglich 19 Prozent das weitgehend frei gestaltbare Altersvorsorgedepot.
Zurück zu Riester?
Die Wissenschaftsplattform Sustainable Finance sieht dieses Resultat kritisch. Schließlich verringern Garantien die erwartete Rendite. "Hinzu kommt, dass die Kosten der Garantieprodukte, anders als beim Standarddepot, nicht gedeckelt sind", heißt es im aktuellen Policy Brief der Plattform. "Bei der Riester-Rente trug die Kombination aus Garantie und hohen Kosten zu finanziellen Einbußen bei", schreiben die Autoren. Die beobachtete Präferenz für die volle Beitragsgarantie führe im Ergebnis zurück zu einem Produktprofil, das dem der Riester-Rente ähnelt.
Darüber hinaus kritisieren die Wissenschaftler, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Regelungen zum Altersvorsorgedepot bisher praktisch nicht vorkommt. Auch eine besondere Förderung nachhaltiger Produkte, wie sie der Sustainable-Finance-Beirat der vergangenen Legislaturperiode vorgeschlagen hatte, ist nicht vorgesehen. "Dabei fährt ausgerechnet das schwedische Vorbild AP7 seit Jahren eine explizite Nachhaltigkeitsstrategie mit dem erklärten Ziel, bis 2050 einen Beitrag zur weltweiten Netto-Null-Emissionsbilanz zu leisten", so die Autoren des Policy Briefs. Ob und wie das deutsche Standarddepot Nachhaltigkeit berücksichtigen wird, sei offen.
Nachhaltigkeit gewünscht
Dabei erklären in der der Studie der Universitäten Kassel und Paderborn 67 Prozent der Befragten, das Standarddepot des öffentlichen Trägers solle Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Nur zwölf Prozent lehnen das ab. 65 Prozent stimmen zu, dass nachhaltige Produkte eine höhere staatliche Förderung erhalten sollten. 17 Prozent möchten dies nicht. 65 Prozent sind der Ansicht, Sparer sollten selbst entscheiden, ob ihr Produkt Nachhaltigkeit berücksichtigt. 13 Prozent sind dagegen.
In ihrem Policy Brief bemängelt die Wissenschaftsplattform Sustainable Finance außerdem den geringen Bekanntheitsgrad der Altersvorsorgereform. Um von den geplanten Veränderungen profitieren zu können, müssten die Bundesbürger die Reform kennen. Nach der Befragung der beiden Universitäten haben aber rund 30 Prozent der Teilnehmer noch nichts davon gehört.
Insgesamt vermutlich noch weniger bekannt
"Das ist bemerkenswert, weil es sich um Menschen handelt, die sich aktiv mit Geldanlage beschäftigen", schreiben die Autoren des Policy Briefs. "In der Gesamtbevölkerung dürfte die Bekanntheit noch deutlich geringer sein. Gerade Haushalte mit niedrigerem Einkommen legen seltener am Kapitalmarkt an", heißt es.
Aus den Studienergebnissen leitet die Wissenschaftsplattform vier Handlungsempfehlungen für den weiteren Reformprozess ab. Erstens sollte die Einführung des Altersvorsorgedepots von Beginn an mit verständlicher Information über die Produktvarianten und ihre langfristigen Folgen begleitet werden. Zweitens sollten die Renditekosten von Garantien vor dem Abschluss eines entsprechenden Produkts verdeutlicht werden, etwa anhand von Beispielrechnungen.
Höhere Förderung prüfen
Drittens sollte das staatlich gemanagte Standarddepot Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, für Anleger aber die Möglichkeit vorsehen, darauf zu verzichten. Und nicht zuletzt sollte die Bundesregierung eine höhere Förderung nachhaltiger Finanzprodukte prüfen. (am)















