Altersvorsorgedepot: Quirion kontert Scalable-Offerte
Zwei Wochen ist es her, dass sich Scalable mit Kampfkonditionen für das geplante Standarddepot aus der Deckung wagte. Nun zieht die Digitaltochter der Quirin Privatbank nach – und nennt Produktkosten, die sogar unter dem Satz liegen, mit denen der Münchner Neobroker die Branche wachgerüttelt hatte.
Der Vermögensverwalter Quirion möchte gemeinsam mit dem Asset Manager Vanguard im Rahmen des Altersvorsorgedepots ein besonders günstiges Standardprodukt anbieten. Umgesetzt werden soll das Standarddepot pünktlich zum Start der Reform am 1. Januar 2027 mit zwei breit diversifizierten ETFs: dem Weltaktienfonds Vanguard FTSE Global All-Cap und dem Vanguard Global Aggregate Bond EUR Hedged, der währungsgesichert global in Anleihen investiert. Die laufenden Kosten der beiden ETFs betragen 0,07 respektive 0,08 Prozent im Jahr.
Weitere Gebühren sollen für das Standarddepot nicht anfallen. Quirion werde "mit einem kostenfreien Angebot an den Start gehen", heißt es in einer Pressemitteilung. Ein automatisches Rebalancing soll für ein dauerhaft passendes Risiko-Rendite-Profil sorgen. Die "persönliche Kundenbetreuung" wird durch eine KI-Lösung namens "Quirion AI" erfolgen.
Scalable legte mit "maximal 0,15 Prozent" vor
Bleibt das Quirion-Standarddepot dauerhaft gebührenfrei, könnte die Tochtergesellschaft der Quirin Privatbank sogar das Angebot des Neobrokers Scalable toppen. Dessen Chef Erik Podzuweit hatte sich jüngst mit ersten Rahmenkonditionen zum Altersvorsorgedepot aus der Deckung gewagt: Für Konto und Depot, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe sollen den Scalable-Kunden demnach keine Kosten entstehen. Als einzige Gebühren würden die laufenden ETF-Kosten anfallen, die Podzuweit auf "maximal 0,15 Prozent" pro Jahr bezifferte. Im ersten Jahr will Scalable sie sogar erstatten.
Für das Standarddepot erlaubt der Gesetzgeber maximal Effektivkosten von einem Prozent pro Jahr. Dieser Kostendeckel sei zwar "ein wichtiger Fortschritt", heißt es in der Quirion-Pressemeldung. Das Unternehmen sehe ihn allerdings nur als Obergrenze und nicht als Qualitätsmaßstab an. Quirion halte ihn für deutlich zu hoch. "Die Erfahrungen mit der Riester-Rente haben gezeigt, wie stark hohe Kosten die Rendite über die Jahre schmälern können", so der digitale Vermögensverwalter. Auf den Aspekt, dass bei Riester auch die Pflicht zur Beitragsgarantie die mögliche Performance geschmälert hat, geht das Unternehmen nicht ein.
"Einfache und gute Geldanlage für möglichst viele Menschen"
"Der deutsche Vorsorgemarkt ist von hoher Komplexität und unterschiedlichen Interessen geprägt", lässt sich Matthias Lamberti, Chief Product & Innovation Officer von Quirion, in der Pressemitteilung zitieren. "Das kann es Menschen schwer machen, die für sie richtige Vorsorgeentscheidung zu treffen." Gemeinsam mit Vanguard wolle man "eine einfache und gute Geldanlage für möglichst viele Menschen" bieten. "Wir wollen mit dieser Partnerschaft zeigen, wie ein Altersvorsorgedepot aussehen kann, das Fehlanreize und Fehlentscheidungen vermeidet", so Lamberti. (bm)




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