Altersvorsorgedepot: Versicherern drohen enorme Abflüsse
Riester-Anbieter müssen sich warm anziehen: Das neue Altersvorsorgedepot könnte ihre Bestände und Beitragseinnahmen aus entsprechenden Verträgen jährlich um Milliardensummen reduzieren, zeigt eine Studie von Sirius Campus und dem Vorsorgespezialisten Aeiforia. Besonders betroffen sind Versicherer.
Wenn Anfang 2027 das Altersvorsorgereformgesetz in Kraft tritt, könnten Milliardensummen aus bestehenden Riester-Verträgen in das neue Altersvorsorgedepot abfließen. Ganz besonders betroffen wären Lebensversicherer. Zu diesen Ergebnissen kommt die Untersuchung "Altersvorsorge im Aufbruch", für die das Marktforschungsinstitut Sirius Campus mit Unterstützung des Vorsorgespezialisten Aeiforia im April 1.013 Förderberechtigte befragt hat.
Der Erhebung zufolge haben drei Fünftel der Befragten bereits vom Altersvorsorgedepot gehört. Das kann Riester-Anbieter vor große Herausforderungen stellen, folgern die Autoren. Denn: Aktuell seien 44 Prozent der Riester-Kunden mit ihrem Vertrag unzufrieden, vor allem solche mit einer Riester-Rentenversicherung. Die Mehrheit der Förderberechtigten (57%) ist hinsichtlich der Fortführung ihres Riester-Vertrags noch unschlüssig. Die meisten wollen sich zuerst beraten lassen. Immerhin gut ein Viertel (26%) ist sich bereits sicher, das neue Altersvorsorgedepot in Anspruch zu nehmen.
38 Prozent planen Kündigung ihrer Riester-Versicherung
"Betrachtet man nur die bereits Entschiedenen als Prognose für die Marktentwicklung ab 2027, werden 38 Prozent ihre Riester-Rentenversicherung kündigen und inklusive des angesparten Kapitalstocks in ein Altersvorsorgedepot wechseln", heißt es in der Studie. Bei den anderen gängigen Riester-Varianten werde jeweils rund ein Sechstel den Vertrag samt angesammeltem Kapitel in das neue System überführen.
Die 9,7 Millionen Rentenversicherungen haben unter den insgesamt 14,7 Millionen Riester-Verträgen mit rund 128 Milliarden Euro den größten Kapitalstock aufgebaut. Die 38 Prozent Wechsler werden der Prognose zufolge davon in Summe rund 49 Milliarden Euro in ein neues Altersvorsorgedepot mitnehmen. Ein weiteres Fünftel (19%) wird der Analyse zufolge die Beitragsbefreiung wählen und die Spar- und Zulagenbeiträge dem neuen Fördersystem zufließen lassen. Gemeinsam mit den Komplettkündigungen würden sich die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer für Riester-Rentenpolicen um jährlich 3,4 Milliarden Euro reduzieren. Damit würden sie um 57 Prozent schrumpfen.
Auch Fondsanbieter müssen mit Abflüssen rechnen
Die Wechselambitionen bei den drei Millionen Riester-Fondssparplänen, den 1,4 Millionen Wohn-Riester-Verträgen und den 500.000 Riester-Banksparplänen fallen mit rund einem Sechstel der jeweiligen Kunden geringer aus. Dennoch müssen auch Fondsgesellschaften mit Abflüssen in Höhe von 5,1 Milliarden Euro aus ihrem Riester-Kapitalstock rechnen. Bei den Bausparkassen sind es nach den Ergebnissen der Studie 6,9 Milliarden Euro, bei den Banken zwei Milliarden Euro.
"In der Summe werden 64,8 Milliarden Euro angespartes Vermögen in das neue Fördersystem überführt, also deutlich mehr als ein Viertel des rund 225 Milliarden schweren Kapitalstocks in allen Riester-Verträgen", prognostizieren die Autoren. Laufende Beitragseinnahmen in Riester-Verträgen würden um 58 Prozent von 10,4 Milliarden jährlich auf nur noch 4,3 Milliarden Euro zusammenschmelzen. (am)
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