Altersvorsorgedepot vom Staat: Für den BVK ein "absolutes No-Go"
Das Altersvorsorgereformgesetz wird weiter kontrovers diskutiert – vor allem das vorgesehene staatliche Standardprodukt bringt die Branche auf. Der BVK erhärtete am Donnerstag bei der Feier seines 125-jährigen Bestehens in Berlin seine Kritik.
Das Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge hat den Bundestag Ende März passiert, bekommt wohl den Segen des Bundesrates am Freitag (8.5.) und tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Vor allem die Ankündigung eines staatlichen Standardproduktes rief Kritik in der Branche hervor. Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), sieht darin "einen schweren und nicht hinnehmbaren Eingriff in den bestehenden, funktionierenden Markt".
Diese Kritik erhärtete Heinz am Donnerstag (7.5.) auf der 125-Jahr-Feier des BVK in Berlin. Die geplante bürokratische Dreifaltigkeit von Regulierer, Kontrolleur und Produktanbieter durch den Staat sei ein "absolutes No-Go für die Altersvorsorge". Wer glaube, dass ein "Staatsfonds" unterm Strich kostengünstiger sei, werde sich noch wundern, vom garantierten Kapitalschutz einmal ganz abgesehen, falls der Staat in Zeiten fiskalischer Not eventuell ein Zugriffsrecht auf den Kapitalstock erhält. Dies sei ein Rückfall in staatssozialistische Zeiten.
BVK: Politische Fliehkräfte drangsalieren ehrbare Kaufleute
Letztlich würden ehrbare Versicherungskaufleute wieder mit Provisionsneid konfrontiert und drangsaliert, obwohl sie "täglich Face-to-Face Vertrauen durch lebenslange Begleitung aufbauen und leben". Doch die "Fliehkräfte in der Bundesregierung" ließen eine vernünftige Altersvorsorgereform offenbar nicht zu, zeigte sich Heinz maßlos enttäuscht. Der BVK-Präsident forderte vor allem die Beibehaltung der grundsätzlichen Beratungspflicht auch bei standardisierten Altersvorsorgeprodukten. "Dies entspricht den Vorgaben des Versicherungsvertragsgesetzes."
Ohne fachkundige Unterstützung drohten Verbrauchern Fehlentscheidungen und eine unzureichende Absicherung. Der GDV hatte kürzlich AV-Standardprodukte ohne Beratung ins Spiel gebracht, damit Versicherer gegenüber Neobrokern nicht ins Hintertreffen gerieten. Der GDV war dafür vom BVK heftig attackiert worden. "Ohne Beratungspflicht preschen Finfluencer noch weiter vor, ohne für ihre Tipps zu haften", bestätigt Heinz die Erfahrung vieler Versicherungsmakler.
Chronik über 125 Jahre Einstand für den Berufsstand
Der BVK ließ sich jedoch die Feierlaune nicht verderben – und erinnerte an den 18. Mai 1901. Damals schlossen sich 40 Versicherungsvermittler in Berlin zum "Bund der Versicherungs-Vertreter" zusammen, dem Vorläufer des heutigen BVK. Schon damals musste man sich gegen Anfeindungen der Politik gegenüber dem Berufsstand wehren. "Und heute sind wir der älteste Vermittlerverband in ganz Europa und Sprachrohr für über 40.000 Vermittler", ergänzte BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli.
Eine umfangreiche BVK-Chronik (externer Link) zeigt die verschiedenen Verbandsepochen – von den Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Herausforderungen wechselvoller Geschichte bis hin zu aktuellen Transformationsprozessen in der Versicherungsbranche und der Zukunft der Vermittlerschaft, die der BVK weiter aktiv mitgestalten will.
BVK startet Initiative für Vermittlerinnen
Das neueste BVK-Projekt "Frauen.Vertrieb.Zukunft" setzt auf mehr Chancengleichheit für Frauen, die im Versicherungsvertrieb nach wie vor deutlich unterrepräsentiert seien. Es gehe um mehr Unterstützung, Sichtbarkeit und bessere Rahmenbedingungen für Vermittlerinnen. Zum Auftakt gab es dazu eine Online-Umfrage. Als größte Herausforderung im Berufsalltag wurde mit Abstand die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt (60 Prozent), gefolgt von Selbstmarketing und Sichtbarkeit (59 Prozent), Anerkennung im Markt und bei Kunden (57 Prozent), Zugang zu Führungspositionen (48 Prozent) sowie mangelnden Netzwerkmöglichkeiten (47 Prozent), wobei Mehrfachnennungen erlaubt waren.
Nur neun Prozent der Befragten sehen weibliche Perspektiven im Versicherungsvertrieb ausreichend repräsentiert, während 41 Prozent diese Frage klar verneinten. Als besonders dringlich wurde das Thema Mutterschutz für Selbstständige genannt. 44 Prozent waren in der Vergangenheit davon selbst betroffen. Als Problem wurden dabei wirtschaftlicher Druck und laufende Fixkosten, Einkommensausfall, Vertretungsregelungen sowie die Fortführung des Bestands und die fehlende gesetzliche Absicherung als Selbstständige formuliert. Gemeinsam mit anderen Verbänden gab der BVK schon ein Positionspapier zum geplanten Mutterschutz für Selbstständige heraus (externer Link) und übermittelte es Mitte April an die Politik. (dpo)















