Im Jahr 1950 kam die Idee des Investmentfonds auch in Deutschland an. Mit dem Fondak für Aktien und dem Mischfonds Fondra gingen die ersten Portfolios an den Start. Die hiesige Unternehmenswelt hat sich seit den Anfangsjahren der Bundesrepublik drastisch gewandelt. Entsprechend passten sich auch die Portfolios an. Wie es gelang, die Fonds-Urgesteine stets auf der Höhe der Zeit zu halten, erläutert Christoph Berger, Co-Manager des Fondak und Manager des 1956 gegründeten Schwesterfonds Concentra.


Herr Berger, wie gelingt es einem Fonds, Jahrzehnte zu überdauern?

Christoph Berger: Altgediente Fonds müssen sich jeden Tag ein Stück weit neu erfinden, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Sie sollten sogar ihrer Zeit voraus sein. Nur so können sie über die Jahre ein treuer Begleiter der Anteilseigner und Sparplan-Inhaber sein.

Welche Schritte haben Sie unternommen, um den Fondak und den Concentra an die Zeit anzupassen?

Berger: Zwei heutzutage wichtige Themen sind Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Bei der Auflage der Fonds spielte dies natürlich noch keine Rolle. Sowas galt noch nicht mal als Zukunftsmusik, eher als Utopie. Dies zeigt, wie sehr sich die Fonds im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verändert haben.

Achten Sie bei dieser Ausrichtung auch auf Ungleichgewichte, wie etwa ein Übergewicht der IT-Branche?

Berger: Wir betreiben eine Chance-Risiko-Abwägung und achten darauf, dass bei der Branchenaufteilung keine großen Ungleichgewichte im Portfolio entstehen. Die klassischen Branchengrenzen verwischen allerdings. Bei Maschinenbauern wächst die Bedeutung von Software, Chiphersteller wiederum können auch als Automobilzulieferer gelten.

Welcher Anlagephilosophie folgen die Fonds?

Berger: Der Concentra hat eine Wachstumsorientierung. Wachstum ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Unternehmens. Das Gewinnwachstum ist zudem gut messbar. Gute Unternehmen lassen sich also identifizieren. Daneben ist Qualität ein wichtiger Aspekt. Denn die innovativsten Firmen können die besten Talente und die besten Partner für sich gewinnen. Qualität knüpft also an Qualität an.


Wer zu den weiteren Fonds-Oldtimern in Deutschland zählt, lesen Sie im neuen Heft 4/2021 ab Seite 108. Den Artikel finden Sie auch hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).


Wie wählen Sie die Aktien aus?

Berger: Die Titelauswahl erfolgt über eine Bottom-up-Analyse. Manchmal lässt sich das strukturelle nicht vom konjunkturellen Wachstum trennen. Wir versuchen, über den Konjunkturzyklus hinaus zu blicken und Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial zu finden. Das aktuelle konjunkturelle Bild zeigt, ob für den Kauf oder Verkauf einer Aktie gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist – auch wenn das Unternehmen an sich über starke Wachstumsperspektive verfügt.

Ab welcher Unternehmensgröße schauen Sie sich eine Aktie näher an?

Berger: Beim Concentra sehen wir eine Marktkapitalisierung von einer Milliarde Euro als sinnvolle Schwelle, die aber nicht festgeschrieben ist. Der Fonds weist zudem ein betont aktives Management auf. Die Abweichung zum Dax ist hoch, sank aber etwas im Zuge der Erweiterung des Index auf 40 Titel. Denn einige der aufgerückten Unternehmen hatten wir bereits im Portfolio.

Welche Akzente setzen Sie für die Zukunft?

Berger: Mein Vorgänger hat das Portfolio bereits Richtung Wachstum und Qualität fortentwickelt. Ich setze diese Weiterentwicklung evolutionär fort. Eine wichtige Ergänzung ist die Nachhaltigkeit. Dabei schlagen wir den Weg des Dialogs mit den Unternehmen ein und dringen auf eine nachhaltige Ausrichtung. Denn wenn sich die größten CO2-Emittenten dazu verpflichten, den Ausstoß zu verringern, halte ich das für das übergeordnete Ziel wichtiger, als wenn Unternehmen dies tun, die ohnehin schon einen geringen Ausstoß aufweisen.

Stoßen Sie auf Kuriositäten als Manager eines so alten Fonds?

Berger: Ein Beispiel: Die Frage nach einer Aufstellung aller Portfoliomanager des Fondak seit 1950 oder des Concentra seit 1956 lässt sich nicht ganz so einfach beantworten. Die Portfoliomanager standen in der Anfangszeit nicht so im Vordergrund wie heute. Es wurden früher kaum Aufzeichnungen dazu geführt.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)