Analyse: Aktiv oder passiv? Es kommt drauf an
Ob aktive Fonds ihre Benchmark schlagen können, hängt stark vom Marktsegment und dem Zeitraum ab. Eine Analyse von HQ Trust zeigt: Outperformance ist möglich – aber nicht überall gleich wahrscheinlich.
Um es vorwegzunehmen: Die Grundsatzfrage "aktiv oder passiv" lässt sich nicht pauschal beantworten. In einer Studie kommt Jan Tachtler, Leiter Fonds- und Managerselektion bei HQ Trust, aber zu einigen interessanten Erkenntnissen. Ob aktiv oder passiv besser ist, kann sich je nach Anlageklasse und Betrachtungszeitraum unterscheiden. Für seine Analyse untersuchte Tachtler den Anteil aktiver Fonds, die ihre Benchmark über drei Jahre schlagen konnten. Betrachtet wurden rollierende Drei-Jahres-Zeiträume von 2011 bis 2026 sowie verschiedene Aktien- und Anleihekategorien.
Aktive Manager an Standardmärkten im Nachteil
Besonders schwer tun sich aktive Manager laut der Studie in großen, effizienten Aktienmärkten. "Beim MSCI USA lag der Anteil der Outperformer im betrachteten Zeitraum fast durchgehend unter 30 Prozent – und fiel zwischenzeitlich sogar auf rund zwölf Prozent", so Tachtler. Ähnlich schwach sei das Bild bei globalen Standardwerten. In Europa zeigt sich kein stabiles Muster: Zwar hätten zeitweise mehr als 70 Prozent der aktiven Fonds den MSCI Europe geschlagen, zuletzt sei dieser Anteil jedoch deutlich gesunken – auf rund 29 Prozent. "Investoren sollten nicht blind auf aktive Fonds setzen, sondern verstehen, was sich unter der Haube abspielt", betont Tachtler.
Deutlich günstiger stellt sich die Lage im Rentensegment dar. Hier konnten aktive Manager häufiger Mehrwert erzielen. "Der Anteil der Fonds, die den Bloomberg Euro Aggregate Corporate schlagen konnten, lag zuletzt bei rund 50 Prozent", sagt Tachtler. Ähnliche Werte zeigten sich auch bei globalen Anleiheindizes. Allerdings gelte auch hier: Anleger sollten genau prüfen, wie flexibel ein Fonds investiert und ob er tatsächlich im vorgesehenen Segment bleibt. "Auch im Anleihebereich lohnt ein genauer Blick auf die Strategie", so Tachtler.
Entscheidung hängt von der Anlageklasse ab
Aus den Ergebnissen lasse sich vor allem eines ableiten: Die Wahl zwischen aktiven und passiven Fonds sollte differenziert erfolgen. "Die Frage 'aktiv oder passiv' hängt stark von der jeweiligen Anlageklasse ab", erklärt Tachtler. Gleichzeitig ersetze die Analyse keine Einzelfallprüfung. "Auch in schwierigen Märkten gibt es Manager, die überzeugen", betont er. Entscheidend seien neben der Strategie auch die Kosten. "Höhere Gebühren sind kein Problem – solange die Mehrrendite sie rechtfertigt." Anleger sollten daher Rendite und Kosten stets gemeinsam betrachten. (jh)














