Analyse: Ist der sichere Hafen Gold ein guter Inflationsschutz?
Gold gilt zwar vielen als sicherer Hafen, es ist aber kein verlässlicher Schutz bei Inflation. Darauf weisen Lilia Peytavin und Maria Paola Toschi, globale Marktstrateginnen bei J.P. Morgan AM, hin.
Geopolitische Spannungen sowie geld- und fiskalpolitische Unsicherheiten treiben zwar seit Jahren den Goldpreis auf immer neue Rekorde, doch eine effektive Absicherung in Phasen hoher Inflation war Gold in der Vergangenheit nur phasenweise. Lilia Peytavin und Maria Paola Toschi, globale Marktstrateginnen bei J.P. Morgan Asset Management, nennen drei Faktoren, die Anleger vor einem Goldinvestment beachten sollten.
Realzinsen und Goldpreis
"In der Vergangenheit sind die Goldpreise tendenziell gestiegen, wenn die Realzinsen gefallen sind", so die Expertinnen. Das galt etwa im Zeitraum zwischen 2002 und 2012, als aggressive Zinssenkungen in den USA nach dem Platzen der Technologieblase und später während der globalen Finanzkrise einen lang anhaltenden Bullenmarkt bei den Goldpreisen auslösten.
Die inverse Beziehung zwischen Goldpreisen und Zinssätzen sei leicht nachvollziehbar. Gold zahle – anders als Finanzanlagen – weder Zinsen noch Dividenden. Daher würden die Opportunitätskosten einer Position in Gold steigen, wenn die Realzinsen steigen. Und: "Zudem signalisieren steigende Realzinsen in der Regel, dass sich die Zentralbanken auf die Eindämmung der Inflation konzentrieren, was die Nachfrage nach Vermögenswerten verringert, die als Absicherung gegen Inflation dienen können – wie beispielsweise Gold."
Für Überraschungen gut
Doch ausgerechnet der kräftige Anstieg seit 2022 widersprach dieser Logik, denn er fiel mit einer Phase steigender und anschließend stabiler Realzinsen zusammen. Dies werfe Fragen auf. "In der Vergangenheit hat ein Zusammenbruch der Beziehung zwischen Gold und Realzinsen einen globalen wirtschaftlichen Systemwechsel signalisiert", so die Markt-Expertinnen.
Anlegerinnen und Anleger sollten ihrer Meinung nach drei Faktoren berücksichtigen, wenn sie über die Höhe einer Goldallokation in ihren Portfolios nachdenken. "Erstens könnte Gold in eine lang anhaltende Phase der Underperformance eintreten, wenn sich die geopolitischen Spannungen abschwächen und die Zentralbanken ihr Bekenntnis zur Preisstabilität erneut bekräftigen." Zweitens könnte Gold nicht der beste Vermögenswert zur Absicherung gegen Inflation sein, wenn die Inflation stark ansteigt. "Es gab nur eine Phase, in der Gold tatsächlich gut als Absicherung gegen Inflation fungierte: während des Stagflationsjahrzehnts der 1970er Jahre", so Peytavin und Toschi.
Anleihen nicht abschreiben
Der dritte Grund, eine Allokation in Gold sorgfältig abzuwägen, ist ihrer Meinung nach die Volatilität: "In den vergangenen zehn Jahren war die realisierte Volatilität von Gold doppelt so hoch wie die von US-Staatsanleihen und sogar höher als die von US-Aktien." Für sie ist klar: Gold sollte nicht als vollständiger Ersatz für Anleihen in einem Portfolio betrachtet werden. Und wenn der Markt eine nachfragebedingte Rezession befürchtet, dürften Kernanleihen Gold deutlich übertreffen. (jh)




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