Viele Anleger verbinden Gold mit Inflationsschutz. In einer Analyse über mehr als fünf Jahrzehnte ist Kapitalmarktstratege Sebastian Dörr von HQ Trust dem guten Ruf auf den Grund gegangen. Ergebnis: Gold hat in allen Inflationsphasen positive Realrenditen erzielt – selbst in Zeiten sehr niedriger Teuerung. Doch die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus.

Analyse über 50 Jahre
Für die Auswertung betrachtete der Kapitalmarktstratege die realen, inflationsbereinigten Jahresrenditen von Gold in verschiedenen Inflationsphasen. Die Inflationsraten teilte Sebastian Dörr dabei in vier gleich große Quartile ein. Der Analysezeitraum reicht von Januar 1969 bis März 2026. Die Ränder der Verteilung kappte er dabei.

Wichtigstes Ergebnis: Gold erzielte im langfristigen Durchschnitt in allen Inflationsphasen positive Realrenditen. Im Mittel lag der Zuwachs beim Edelmetall in diesen Phasen bei 6,2 Prozent pro Jahr. Die Streuung war allerdings erheblich: "Selbst wenn man die extremen Ausreißer herausnimmt, reichten die Jahresrenditen in einzelnen Inflationsphasen von tief im Minus bis weit über 40 Prozent im Plus."

Je mehr Inflation, desto mehr Glanz
Je höher die Inflation, desto stärker performte grundsätzlich das Edelmetall – aber auch das mit großer Bandbreite. "Bei einer Inflationsrate von mehr als 3,9 Prozent lag die durchschnittliche reale Jahresrendite bei 7,6 Prozent", so Dörr. Gleichzeitig war die Schwankungsbreite der Ergebnisse in dieser Phase am größten. Auch Silber erzielte im langfristigen Durchschnitt in allen Inflationsphasen positive Realrenditen. Allerdings waren die Schwankungen hier noch extremer als bei Gold.

Dörrs Fazit: "Gold und Silber erzielten in allen Inflationsphasen im Schnitt positive Realrenditen. Ein Ersatz für Aktien oder Anleihen sind sie aber nicht. Und es gibt auch keine Garantie für höhere Renditen in Zeiten steigender Verbraucherpreise." Als strategische Beimischung könne Gold aber helfen, Schwankungen zu reduzieren und Verluste in schwierigen Marktphasen abzufedern. Er sagt: "Gold ist keine Spekulation, sondern eine Versicherung für Zeiten, in denen klassische Kapitalmarktlogiken nicht mehr greifen." (jh)