Unabhängige Vermögensverwalter haben im ersten Halbjahr für ihre Kunden stärker in Aktien investiert. Dies zeigt eine Analyse des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) und des Wealthtech-Unternehmens Qplix. Demnach lag die Aktienquote im Schnitt bei 57,6 Prozent – der höchste Stand seit 2021. Der Kassenbestand ging demgegenüber auf unter neun Prozent zurück. Der sogenannte "Trendmonitor Vermögensverwaltung" wertet mehr als 50.000 Depots von 190 unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland aus.

Ein weiteres auffälliges Ergebnis der Analyse: Die Vermögensverwalter passen die regionale Gewichtung im Aktienteil an und setzen stärker auf Europa. So lagen zur Jahresmitte europäische Anlagen mit 44,3 Prozent knapp vor nordamerikanischen mit 44,1 Prozent. Auch das Gewicht des US-Dollar in den Depots nahm ab. Angesichts der Größe und Breite des US-Aktienmarkts erscheint so ein Kopf-an-Kopf-Rennen ungewöhnlich. Auch Asien inklusive Japan konnte seinen Anteil auf 11,6 Prozent ausbauen.

US-Abhängigkeit reduziert
"Gerade der Rückgang des US-Dollar-Anteils und der gleichzeitige Zuwachs Asiens sind bemerkenswert", sagt Andreas Ritter, Vorstand des IVA. "Ob daraus ein dauerhafter Strukturtrend entsteht, muss sich erst zeigen. Fest steht: Vermögensverwalter reduzieren die Abhängigkeit von einem einzigen Aktien- und Währungsraum." Rentenanlagen machten zur Jahresmitte 27,4 Prozent des ausgewerteten Vermögens aus und lagen damit praktisch auf dem Niveau des Jahresendes 2020.

Ein weiteres markantes Ergebnis der Auswertung: Vermögensverwalter wenden sich immer mehr börsengehandelten Fonds (ETFs) zu und stoßen dafür klassische Mischfonds ab. So kletterte der ETF-Anteil seit Ende 2020 von 6,4 auf 18,5 Prozent und hat sich damit nahezu verdreifacht. "Der ETF-Aufstieg ist inzwischen kein kurzfristiges Phänomen mehr, sondern eine spürbare strukturelle Veränderung", meint Qplix-Chef Kai Linde.

Klarer Favorit
Bei alternativen Investments wiederum haben die Vermögensverwalter einen klaren Favoriten: "Gold bleibt in den Depots der sichtbarste alternative Baustein", sagt Ritter. "Interessant ist aber, dass die übrigen alternativen Anlagen keineswegs dem gleichen Muster folgen: Während Industriemetalle an Gewicht gewinnen, gehen andere Edelmetalle und Krypto-Assets zurück. Das spricht eher für eine differenzierte Positionierung als für eine allgemeine Flucht in Sachwerte." (ert)