Der Markt für aktive börsengehandelte Fonds (ETFs) in Europa hat sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdreifacht. Das in aktiven ETFs verwaltete Vermögen überschritt per Ende 2025 die Marke von 78 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Fondsratinggesellschaft Morningstar. Im Vorjahr hatte sich das Volumen auf etwas mehr als 52 Milliarden Euro belaufen. Damit stellen aktive ETFs zwar nach wie vor eine Nische dar, die jedoch stark wächst.

So sammelten aktive ETFs im vergangenen Jahr unter dem Strich fast 22,7 Milliarden Euro an Neugeld ein. Der Anteil am gesamten Nettomittelaufkommen des ETF-Markts bezifferte sich damit auf 6,6 Prozent. 2024 hatten aktive ETFs Mittelzuflüsse in Höhe von 18,4 Milliarden Euro verzeichnet. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt für europäische ETFs hat per Ende 2025 die Marke von 2,6 Billionen Euro erreicht.

Hohe Zahl an Neuauflagen
Noch höhere Zuwachsraten bemerken die Analysten von Morningstar bei den Neuauflagen von aktiven ETFs. So kamen allein im Jahr 2025 insgesamt 139 neue Produkte auf den Markt. 2024 waren es lediglich 50 Neuauflagen gewesen. Gleichzeitig bleibe die Zahl der Schließungen gering, merken die Studienautoren an.

Das meiste Geld liegt bei aktiven ETFs in Aktienstrategien. Die Analysten von Morningstar unterscheiden bei aktiven ETFs zwischen diskretionären und systematischen Strategien. Bislang dominieren diskretionäre Strategien, die 77 Prozent des verwalteten Vermögens ausmachen. "Die Kapitalflüsse bei aktiven ETFs im Jahr 2025 deuten auf einen Wendepunkt hin", sagt Natalia Wolfstetter von Morningstar. Systematische Strategien würden rasch an Boden gewinnen.

Wendepunkt bei Ansätzen
"Im Jahr 2025 verbuchten systematische Ansätze Zuflüsse in Höhe von 9,1 Milliarden Euro, ein starker Anstieg im Vergleich zu 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2024", so Wolfstetter. Demgegenüber beliefen sich 2025 die Zuflüsse in diskretionäre Aktien-ETFs auf 4,8 Milliarden Euro, etwa halb so viel wie bei ihren systematischen Pendants und deutlich weniger als die 13,5 Milliarden Euro im Jahr 2024.

Bei aktiven Anleihen-ETFs stand im vergangenen Jahr weiterhin der diskretionäre Ansatz im Vordergrund. Aktive Anleihen-ETFs verzeichneten insgesamt 5,9 Milliarden Euro an Zuflüssen,  systematische Anleihen-ETFs kamen dabei lediglich auf 0,5 Milliarden Euro, berichten die Morningstar-Analysten.

Viele Neueinsteiger
Unangefochtener Marktführer in Europa ist weiterhin JP Morgan mit einem Marktanteil von 47 Prozent. Aber immer mehr Anbieter versuchen ihr Glück in dem Segment. "Was wir beobachten, ist, dass immer mehr Neueinsteiger hinzukommen", berichtet Wolfstetter. "So sind unter anderem Goldman Sachs, Fineco, Nordea, HSBC und M&G in den Markt für aktive ETFs eingestiegen – auch wenn sie nach wie vor weit davon entfernt sind, die Vorherrschaft von JP Morgan, Fidelity und Pimco anzufechten." (ert)