Statistisch gesehen werden jedes Jahr allein in Deutschland rund 400 Milliarden Euro von einer Generation an die nächste vererbt. Das läuft keineswegs immer so ab, dass den Erben das Geld einfach in den Schoß fällt, sagt Michael Thaler, Vorstand der Top Vermögen in Starnberg. "Es gibt nicht zu unterschätzende Fallstricke", warnt er. Es beginnt schon beim diffizilen Geflecht an Emotionen, das mit einem Erbe einhergeht: Das Geld fällt nicht vom Himmel, sondern stammt aus dem Nachlass eines nahestehenden Menschen, der nun nicht mehr da ist. Zugleich ist vielen Erben der Neid ihrer Mitmenschen gewiss, weil sie für den Geldsegen keine Leistung erbracht haben.

Die zweite Hürde ist das Finanzamt. "Selbst für nahe Angehörige und Partner gelten recht eng bemessene Freigrenzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf Immobilien und Wertpapiervermögen Erbschaftsteuer gezahlt werden muss, ist die letzten Jahre rapide gestiegen", sagt Thaler. Die Freibeträge sind zwar dieselben geblieben. Aber parallel zu den gefallenen Zinsen sind die Vermögenswerte in die Höhe geklettert. Der Rat des Vermögensprofis: "Beginnen Sie rechtzeitig damit, Liquidität für die Erbschaftssteuer zu schaffen."

Strategie auf die eigenen Bedürfnisse anpassen
Eine wichtige Frage ist auch, wie sich das Erbe in die Vermögenssituation der Empfänger einfügen soll. Der durchschnittliche Erbe in Deutschland ist 53 Jahre alt, Tendenz steigend. "Dementsprechend gilt es Vorsorge zu treffen für die eigene Rentenphase", so Thaler. Er hält es für sinnvoll, geerbtes Geld womöglich konservativer anzulegen, als es der Erblasser getan hat. "Nicht selten findet man als Vermögensverwalter Erbschaftsdepots vor, bei denen die Erblasser fast hundert Prozent in Aktien investiert haben", berichtet der Anlageexperte. Sie wollten den Ertrag für die nächste Generation maximieren. Diese sollte die Investmentstrategie auf ihre eigenen Bedürfnisse anpassen.

Ein Erbe ist für die meisten Menschen ein emotional und finanziell komplexer Prozess, stellt Thaler fest. Sein Rat: Professionelle Hilfe – juristischer oder psychologischer Natur, oder eben auch von einem erfahrenen Vermögensverwalter. (fp)