Weil Verbraucher in den diversen Lockdowns seit Beginn der Corona-Krise kaum Geld ausgeben konnten, hat die Sparquote neue Höhen erreicht. Die neue, nicht ganz freiwillige Sparwut kommt zur Unzeit: Bei immer mehr Kreditinstituten müssen Kunden schon ab überschaubaren Guthaben "Verwahrentgelte" zahlen, die Konditionen werden dabei stetig schlechter. Der Freibetrag sinkt, zugleich sind immer mehr Sparprodukte von Negativzinsen betroffen. In Einzelfällen werden sie sogar für Sparbücher fällig. Schlimmer noch: Die Schlupflöcher für "Strafzinsflüchtlinge" werden eines nach dem anderen gestopft.

Bei der Commerzbank soll der Freibetrag im Sommer auf 50.000 Euro fallen. Bei mehreren Volksbanken und Sparkassen ist die Lage für Kunden noch schlechter, berichtet Andreas Görler, Vermögensmanager bei Wellinvest Pruschke & Kalm. Diese berechneten mittlerweile teils schon ab 10.000 Euro eine "Guthabengebühr" von minus 0,5 Prozent. "Die Variante, bei einer Zweitbank ein Anlage- oder Festgeldkonto zu eröffnen und so das Vermögen zu verteilen, funktioniert schon länger nicht mehr, da Banken solche Konten nur für Kunden mit einem Girokonto eröffnen", sagt Görler. Auch ein Bankschließfach ist keine Lösung: Sinkende Filialzahlen und steigende Jahresgebühren machen diese Möglichkeit der Geldaufbewahrung unattraktiv.

Das Ausland ist auch keine Alternative
Anlage- und Festgeldkonten bei ausländischen Banken, die über Vermittler wie Weltsparen zugänglich sind, wirken auf den ersten Blick wie eine gute Alternative zu inländischen Konten. "Die Konditionen sind aber auch hier nicht wirklich überragend", sagt der Vermögensexperte. "Eine echte Geldanlage, die zumindest einen Inflationsausgleich bietet, ist auch das nicht."

Die Strafzins-Misere führe dazu, dass Bankangestellte von skurrilen Gesprächsterminen mit Neukunden berichten, in denen Letztere ein Girokonto eröffnen wollen, aber ohne "Konto-Umzug-Service". In diesen Fällen liegt nahe, dass die Kunden eigentlich kein neues Girokonto benötigen, sondern nur einen Ersatz für ihre gewohnten Anlagekonten suchen – und die Kontoführungsgebühren eines Girokontos sind vielerorts niedriger als die 0,5 Prozent Negativzins auf Einlagen.

Besser ein Portfolio aufbauen
Letztlich sollten Bankkunden die Energie, die sie in die Vermeidung von Strafzinsen stecken, besser darauf verwenden, ein vernünftig diversifiziertes Portfolio aufzubauen, rät Görler. Zum Einstieg empfiehlt er mindestens 25 Prozent Aktien oder Aktienfonds, besser mehr, ergänzt durch aktiv verwaltete globale Rentenfonds. "Um das Timing-Risiko zu reduzieren, kann der Depotaufbau auch oder zusätzlich über Fondssparpläne erfolgen." (fp)