Wegen der dauerhaft niedrigen Zinsen wollen viele Deutsche nicht in festverzinsliche Papiere investieren, wegen des notorisch überschätzten Verlustrisikos aber auch nicht in Aktien. Das Ergebnis: ein gigantischer Geldanlagestau. Immer mehr Geld liegt in Deutschland ungenutzt herum und wirft keine Rendite ab, berichtet Michael Stappel, Ökonom der DZ Bank. Real gerechnet schmilzt das so geparkte Vermögen sogar dahin.

Bis zum Jahr 2008 lag der Anteil nicht angelegter Mittel in Form von Bargeld und Sichteinlagen am gesamten Geldvermögen stabil bei zirka 13,5 Prozent. Seit der Finanzkrise ist dieser Wert stetig gestiegen. Mittlerweile haben die Bundesbürger satte 28,2 Prozent ihres Vermögens praktisch zinslos zwischengeparkt, oft auf dem Girokonto.

Das niedrige Zinsniveau beschert privaten Haushalten massive Einkommenseinbußen. Zwar ist das in Einlagen, Rentenpapieren und Versicherungen angelegte Geldvermögen der Deutschen seit dem Jahr 2009 um 49 Prozent auf fast fünf Billionen Euro angewachsen. Die Zinseinnahmen sind zugleich allerdings dramatisch gesunken: Sie dürften im laufenden Jahr bei rund 52 Milliarden Euro liegen – das ist gerade einmal halb so viel, wie Sparer vor elf Jahren vereinnahmen konnten. Kein Wunder: Die Durchschnittsverzinsung von Einlagen, Anleihen und Versicherungen ist in diesem Zeitraum von 3,1 auf 1,1 Prozent gesunken. Was das für den durchschnittsdeutschen Sparer bedeutet, haben die DZ-Bank-Fachleute hochzurechnen versucht.

Zinsen runter, Einlagen rauf
Wählt man die Zeit von 1999 bis 2009 als Referenzphase für die Ermittlung eines  "Normalzinsniveaus", dann lag dieses ohne Inflation gerechnet bei ungefähr 4,2 Prozent und real bei immerhin noch einigermaßen auskömmlichen 2,3 Prozent. Bereits im Jahr 2010 verzinsten sich Einlagen aber im Schnitt nur noch mit 1,3 Prozent. "Bezogen auf die Einlagenbestände bedeutet das Zinseinbußen von 16,7 Milliarden Euro", erklärt DZ-Bank-Ökonom Stappel. Die Lage wurde in den vergangenen Jahren immer dramatischer: "Mit fortschreitendem Zinsrückgang und weiter wachsenden Einlagenbeständen stiegen die Zinseinbußen Jahr für Jahr auf voraussichtlich rund 54 Milliarden Euro in diesem Jahr."

In der vergangenen Dekade sind den Deutschen in Summe allein auf der Einlagenseite insgesamt 386 Milliarden Euro an Zinsen entgangen. Nimmt der Anlagestau weiter zu, dürfte es bald noch deutlich mehr sein. (fp)