Anlagestrategin: Deshalb sind Anleihen ein Fall für aktives Management
Anders als bei Aktien sehen viele Experten passive Strategien bei Anleihen strukturell im Nachteil gegenüber aktiven Ansätzen. Woran das liegt, erklärt Investment-Spezialistin April LaRusse.
Dass aktive Manager selten ihre Benchmarks übertreffen, gilt keineswegs für alle Anlageklassen. Eine klare Ausnahme gebe es bei festverzinslichen Wertpapieren, sagt April LaRusse, Leiterin Investment Specialists bei Insight Investment. Für Anleger senken passive Anleihestrategien ihrer Meinung nach nicht nur das Ertragspotenzial, sondern sie führen auch zu höheren Risiken.
Ineffizienter Markt schafft aktive Chancen
Einer der Gründe liege im Markt selbst, so LaRusse: "Die Anleihemärkte sind strukturell weniger effizient, weniger transparent und weitaus fragmentierter – was erfahrenen aktiven Managern Chancen eröffnet." Das Wachstum passiver Anlagen habe die Ineffizienzen noch verstärkt, da indexorientierte Kapitalflüsse die Preisbildung verzerren. So würden Daten von Morningstar zeigen, dass aktive europäische Fixed-Income-Manager in den fünf Jahren bis Juni 2025 auf den wichtigsten Unternehmensanleihemärkten eine bedeutende annualisierte Outperformance gegenüber ihren passiven Pendants erzielen konnten.
Für die Expertin ist klar: "Anleger in festverzinslichen Wertpapieren müssen sich der Grenzen traditioneller Anleiheindizes bewusst sein – insbesondere, wenn sie einen passiven Ansatz verfolgen." Denn: "Im Gegensatz zu Aktienindizes, die naturgemäß zu den größten und erfolgreichsten Unternehmen tendieren, sind Anleiheindizes nach den größten Emittenten von Schuldtiteln gewichtet, seien es Staaten oder Unternehmen." Das bedeute, dass die am höchsten verschuldeten Emittenten innerhalb eines Index die größte Bedeutung haben, was oft zu einer schlechten Diversifizierung und einer Konzentration auf hoch verschuldete Emittenten führe.
Kontraproduktive Indexgewichtung
Hinzu komme, dass der Aufstieg passiver Anlagen die traditionell disziplinierende Funktion der Anleihemärkte geschwächt hat. "Da passive Fonds Anleihen proportional zu ihrer Indexgewichtung halten müssen, können selbst hoch verschuldete Emittenten weiterhin Kapital erhalten, wodurch eine wichtige Quelle der Marktverantwortlichkeit verloren geht", so LaRusse.
Die Umschlaggeschwindigkeit bei Rentenindizes sei zudem wegen der begrenzten Laufzeit und möglicher Bonitätsrückstufungen deutlich höher als bei Aktienindizes. Wenn etwa große Unternehmen in Zeiten wirtschaftlicher Belastungen unter Investment Grade herabgestuft werden, seien passive Strategien meist gezwungen, zum ungünstigsten Zeitpunkt zu verkaufen. Auch das benachteilige passive Strategien mit starrem Ansatz gegenüber aktiven Anleihestrategien. (jh)















