Die Versicherungsmaklergenossenschaft Vema hat sich am Allfinanzpool BCA beteiligt. Konkret übernahm der Maklerverbund 9,9 Prozent der Aktien des Finanzdienstleisters aus Oberursel. Verkäufer sind zum einen die Knörrer GmbH, die Beteiligungsgesellschaft von Dieter Knörrer, dem Gründer der BBG Betriebsberatungs GmbH, und zum anderen die BBG selbst. Das sagten BCA-Vorstand Frank Ulbricht und Johannes Neder, der stellvertretende Vorstandschef der Vema, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Bereits im Sommer 2023 hatten beide Unternehmen eine Kooperation vereinbart. Seither haben die Partner der Vema Zugriff auf die Anlagesoftware und die Investmentlösungen der BCA und ihrer Tochter BfV Bank für Vermögen. Die BCA-Berater wiederum können Deckungskonzepte, IT-Tools und Vergleichsrechner der Vema nutzen.

"Unabhängigkeit der Makler garantieren"
"Mit der Beteiligung der Vema an der BCA erreicht diese Zusammenarbeit nun eine neue Ebene", sagt Ulbricht. "Unser Ziel ist es, dem Markt eine verbindliche Antwort auf die Fragen zu geben, die sich den Maklern nach dem Einstieg von Private-Equity-Gesellschaften in unsere Branche stellen", ergänzt Neder. "Die Vema ist eine Genossenschaft von Maklern für Makler, gegründet nicht zuletzt deshalb, um ihre Unabhängigkeit zu garantieren. Diese Funktion ist heute wichtiger denn je."

Neder spielt auf den Umbruch an, in dem sich der Markt der Maklerdienstleister seit einigen Jahren befindet: Zum Jahreswechsel 2021/22 sicherte sich die Londoner Beteiligungsfirma HG Capital die Mehrheit an der Münchner Fonds Finanz, im Jahr darauf erfolgte der Einstieg beim Deutschen Maklerverbund (DEMV). Im Sommer 2022 übernahm das angelsächsische Private-Equity-Haus Warburg Pincus dann den Lübecker Maklerdienstleister Blau Direkt, im vergangenen September folgte Maxpool. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass sich Warburg Pincus auch Netfonds einverleibt – der Hamburger Maklerpool soll mit Blau Direkt zusammengeschlossen werden.

"Marktoffenheit in alle Richtungen"
"Gemeinsam bilden Vema und BCA den einzigen Allfinanz-Maklerdienstleister relevanter Größe in Deutschland, der nicht von Private-Equity-Investoren beherrscht wird", betont Ulbricht. "So möchten wir uns auch klar positionieren. Wir stehen für Marktoffenheit in alle Richtungen – sowohl für die Makler als auch für die Produktgeber."

Die Vema gehört ihren Mitgliedern. Die BCA hat neben der Maklergenossenschaft neun Versicherer als Aktionär, die jeweils 9,99 Prozent der Anteile halten (siehe Tabelle unten). Diese begründeten ihre Beteiligung am Unternehmen in der Vergangenheit unter anderem damit, sich über die BCA den Zugang zum Maklermarkt offenhalten zu wollen – insbesondere für den Fall, dass andere große Pools ihre Marktmacht zu deutlich ausspielen möchten.

"Erste Versuche, Maklern die Courtage zu kürzen"
Neder zufolge setzen sich Makler, die sich auf Dienstleister mit Private-Equity-Gesellschaften im Hintergrund verlassen, einem relevanten Risiko aus: "Noch sind die Investoren dabei, sich einen möglichst großen Teil des Marktes zu sichern, darum bieten sie den Maklern attraktive Konditionen. Doch in einigen Jahren müssen sie dazu übergehen, ihr Investment zu monetarisieren. Dann wird sich das Pricing ändern – nicht zu vergessen, dass wir bereits erste Versuche gesehen haben, Maklern die Courtage zu kürzen."

Ohne direkt auf Blau Direkt Bezug zu nehmen, spielt Neder damit wohl auf eine Episode an, die sich vor einem Jahr bei dem Lübecker Maklerpool zugetragen hatte: Der damalige Blau-Direkt-Chef Kai-Uwe Laag befürwortete die Idee, verdienten Maklern die Provisionen zu kürzen, was intern für einen Aufschrei sorgte. Laag zeigte sich daraufhin zerknirscht, räumte Fehler ein und machte die Courtageanpassung schnell wieder rückgängig. Teile der damaligen internen Kommunikation liegen FONDS professionell ONLINE vor. Einige Monate nach diesem Vorfall legte Laag sein Amt nieder.

"Technische Schnittstellen verbessern"
Konkret zur künftigen Zusammenarbeit äußern wollten sich Ulbricht und Neder im Gespräch mit der Redaktion noch nicht. Zumindest eine Idee davon, wohin die gemeinsame Reise gehen dürfte, können sie aber geben. "Ein wichtiger Aspekt wird sicherlich sein, die technischen Schnittstellen zu verbessern, um unseren Maklerpartnern einen problemlosen Zugang zu den Ressourcen der jeweils anderen Plattform zu bieten", sagt Neder. "Auch auf Produktebene bieten sich gemeinsame Entwicklungen an, insbesondere mit Blick auf die Altersvorsorge, wo der Fonds als Motor auch im Versicherungsbereich immer wichtiger wird." (bm)

Aktionärsstruktur der BCA AG

AktionärEinstiegAnteil
Barmenia Krankenversicherung AGJuni 20099,99 %
Die Bayerische Prokunde AGFebruar 20209,99 %
Die Haftpflichtkasse VVaGJuli 20189,99 %
Ideal Beteiligungen AGApril 20139,99 %
Signal Iduna Holding AGJuni 20099,99 %
Stuttgarter Versicherung Holding AGJuni 20099,99 %
Süddeutsche KrankenversicherungDezember 20179,99 %
VHV Allgemeine Versicherung AGJanuar 20259,99 %
Volkswohl-Bund Lebensversicherung a.G.Juni 20099,99 %
Vema Versicherungsmakler Genossenschaft eGApril 20269,91 %
Streubesitz 0,18 %

Quelle: BCA AG (sortiert nach Beteiligungshöhe, bei gleicher Beteiligung nach Alphabet)