Viele Angestellte würden gern auch dann zum Teil von zu Hause arbeiten, wenn die Corona-Vorschriften auslaufen und eine Rückkehr ins Büro möglich ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "The Future Of Work: Productive Anywhere" von Accenture. Hierfür hat die Unternehmensberatung im vergangenen Jahr weltweit 9.000 Beschäftige befragt – mit einem eindeutigen Ergebnis: 83 Prozent der Umfrageteilnehmer würden sich ein solches hybrides Arbeitsmodell dauerhaft wünschen. 

In London, wo die "Work from Home"-Vorschrift bereits Mitte Januar aufgehoben wurde, fordern Arbeitnehmer bereits verstärkt solche Mischmodelle aus Home- und Normal-Office, wie die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) berichtet – und das zunehmend mit Erfolg: "Die Beschäftigten haben die Oberhand, zum ersten Mal seit Generationen. Sie werden gehen, wenn ein Unternehmen sich nicht flexibel zeigt", sagt Shivani Maitra, Mitarbeiterin der Unternehmensberatung Deloitte, gegenüber der NZZ. Arbeitnehmer sträubten sich nicht grundsätzlich dagegen, im Büro zu arbeiten. "Aber sie lehnen ab, es jeden Tag zu tun", so die Personalexpertin. Schließlich haben sie bewiesen, dass sie von daheim aus ebenso produktiv sein können. 

Beides hat Vor- und Nachteile
Diese Erkenntnis teilen zunehmend die Unternehmen selbst. Große Finanzdienstleister ließen sich mehr und mehr auf anpassungsfähige Arbeitsmodelle ein, berichtet die NZZ. So fordert etwa die Citigroup nur noch drei Arbeitstage im Büro und bietet zwei Homeoffice-Tage an. Bei der Unternehmensberatung EY sind zwei Präsenztage festgeschrieben. HSBC, Barclays und Lloyds bieten Beschäftigten an, nach eigenen Präferenzen in die Büros zurückzukehren, ohne eine bestimmte Anzahl von Tagen vorzugeben.

Die Accenture-Befragung zeigt noch mehr: Nämlich, dass die Arbeit im Büro aus Sicht vieler Lohnempfänger Vorzüge bietet. Dazu zählen der komfortable Zugang zu technischer Ausrüstung und Material, der persönliche Kontakt zu Kollegen, feste Tagesstrukturen sowie  Leistungssteigerungen wegen der fürs konzentrierte Werkeln häufig geeigneteren räumlichen Umgebung nebst weniger Ablenkungen. Doch auch die Heimarbeit sammelt Pluspunkte: Für das Homeoffice sprechen Aspekte wie Lebensqualität und Freiheit. Auf der Mängelliste stehen Probleme wie Platzmangel oder vermehrte Überstunden. Diese kommen zustande, weil Beschäftigte die Zeit, die sie zuvor zum Pendeln brauchten, einfach an ihre Arbeitszeit anhängen. 

Wie immer man persönlich zur Arbeitswelt nach Corona stehen mag – eines steht für Maitra fest: "Das Homeoffice wird bleiben“, so die Beraterin. Mit dem hybriden Modell würden sich zwar neue Fragen stellen und auch Fehler gemacht, aber beide Seiten lernten schnell dazu. (as)