Im September hat die Inflation in Deutschland zum ersten Mal seit fast drei Jahrzehnten die Marke von vier Prozent überschritten. Viele Verbraucher glauben zu wissen, was das bedeutet: An der Supermarktkasse und an der Tankstelle wird es teurer. "Die aktuellen Preissteigerungen bekommen die Menschen hautnah in ihrem Alltag zu spüren", bekräftigt Karsten Rusch von der Postbank. Eine Studie im Auftrag des Kreditinstituts zeigt allerdings, dass viele Deutsche einen entscheidenden Zusammenhang nicht herstellen: den zwischen der Inflation und dem Wert ihrer Ersparnisse.

Die Auswirkungen der Teuerung auf ihr Budget kennen die meisten Bundesbürger genau. Ihr Effekt auf Geld, das praktisch unverzinst auf Sparkonten liegt, ist dagegen rund einem Drittel der Befragten kein Begriff. Sie wussten in der Umfrage nicht, dass ihre Rücklagen durch die Inflation an Wert verlieren, wenn die Zinsen nicht ausreichen, um den Kaufkraftverlust zu kompensieren. Zwölf Prozent der Umfrageteilnehmer waren sogar der Ansicht, dass Ersparnisse bei hoher Inflation an Wert gewinnen. Vor allem in der Altersgruppe von 16 bis 29 Jahren sitzen demnach viele Befragte diesem Missverständnis auf.

Renditejagd bleibt ein Nischenphänomen
Der Inflationsirrtum kommt Sparer teuer zu stehen. Laut Bundesbank betrug die Realverzinsung von Ersparnissen auf Sparbüchern und Festgeldkonten im August dieses Jahres minus 3,7 Prozent – so viel hat das Gesparte also an Wert verloren. "Das fehlende Wissen über die Auswirkungen der Inflation ist sicher ein Grund dafür, dass die Deutschen immer noch zögern, ihre Ersparnisse rentabel anzulegen", sagt Postbank-Experte Rusch. "Aktuell investieren nur 31 Prozent der Sparer in Wertpapiere. Mehr als doppelt so viele, nämlich 63 Prozent, lassen ihre Ersparnisse auf dem Girokonto." Wo sie – um es noch einmal klar zu sagen – bei hoher Inflation NICHT an Wert gewinnen. (fp)