Er ist seit Anfang September neuer Exekutivdirektor Wertpapieraufsicht und Asset Management bei der Bafin – und er zeigt sich kämpferisch. "Absolute Priorität hat für mich, dass die deutsche Wertpapieraufsicht für einen sauberen Kapitalmarkt steht", sagt Thorsten Pötzsch im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in Ausgabe 4/2021 erschienen ist. Dieser Aufgabe seien verschiedene Ziele untergeordnet. "So brauchen wir vor allem ein effektives und schlagkräftiges Bilanzkontrollsystem. Dafür werden wir im Januar kommenden Jahres die Aufgaben der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung übernehmen", erklärt Pötzsch. Die Bafin müsse hier künftig deutlich "proaktiver" arbeiten, etwa mit einem guten Markt-Monitoring, Vor-Ort-Prüfungen und finanzforensischen Untersuchungen. 

"Ein weiteres wichtiges Thema für uns ist ein effektiver Verbraucherschutz. Hier werden wir noch stärker gegen unseriöse Anbieter vorgehen und auch Produkte verbieten oder, wo uns das nicht möglich ist, zumindest sehr deutlich warnen", so der Exekutivdirektor. Er stehe voll und ganz hinter den zahlreichen Maßnahmen, die das Paket für die Bafin-Reform der Finanzaufsicht umfasst. "Die Reformen sind absolut notwendig, damit wir als Aufsicht in Zukunft effizienter, effektiver und schlagkräftiger werden – und dabei auch rechtliche Grenzen austesten", sagt Pötzsch. 

Auch einmal einen Prozess verlieren
Dazu könne etwa die Abberufung von Vorständen oder die Bestellung von Sonderbeauftragten gehören. "Wir dürfen uns nicht davor scheuen, öfter Entscheidungen zu treffen, die Gerichtsverfahren nach sich ziehen", erklärt der neue Wertpapier-Aufseher. Das könne selbstverständlich bedeuten, dass die Bafin auch einmal einen Prozess verliert. "Anderenfalls reizen wir unsere Grenzen vermutlich nicht richtig aus", glaubt Pötzsch.

Dass er Worten auch Taten folgen lässt, hat Thorsten Pötzsch bereits in seiner Position als Exekutivdirektor für den Bereich Abwicklung gezeigt, die er seit 2018 innehatte. "2019 haben wir erstmals überhaupt einer Bank einen Sonderbeauftragten wegen Defiziten in der Geldwäscheprävention ins Haus geschickt", erinnert er. Außerdem intensivierte die Bafin die Verfolgung unerlaubter Geschäfte extrem. "Schwarze Schafe aus dem Verkehr zu ziehen ist für mich essenziell", sagt Pötzsch. "Ich werde auch in der Wertpapieraufsicht nicht davor zurückschrecken, Neues zu probieren, genau wie in meinem früheren Geschäftsbereich", erklärt er.

Hilfestellung bei Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen
Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt für den neuen Exekutivdirektor Wertpapieraufsicht und Asset Management eine große Rolle. Wenn Anlageberater und Vermögensverwalter voraussichtlich ab August 2022 die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden erheben müssen, werde ihnen die Finanzaufsicht zur Seite stehen. "Wir werden die Leitlinien der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA in unsere MaComp übernehmen", sagt Pötzsch. "Zugleich werden wir den Instituten als Ansprechpartner für Rückfragen zur Verfügung stehen. Wir werden sie gut an die Hand nehmen, sodass sie die neuen Regeln künftig auch richtig anwenden können", erklärt er. (am)


Das vollständige Interview mit Thorsten Pötzsch finden Sie in der neuen Heftausgabe 4/2021 von FONDS professionell ab Seite 400. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.