Sogenannte Neobroker locken mit niedrigen oder gar keinen Ordergebühren – und machen so Sparern den Einstieg in den Kapitalmarkt schmackhaft. Doch das Kostenlos-Modell von Trade Republic, Justtrade oder Scalable ruft nun die EU-Kommission und die europäische Finanzaufsicht Esma auf den Plan. Sie wollen die Geschäfte der Fintechs genauer durchleuchten, meldet die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt".

Konkret verdienen die Neobroker ihr Geld damit, dass sie eine Wertpapierorder der Kunden an Handelspartner weiterleiten und dafür eine Rückvergütung oder Provisionserstattung kassieren. Für die Wertpapierhändler wiederum sind die Aufträge insbesondere dann attraktiv, wenn sie außerhalb der Handelszeiten an den Hauptbörsen eingehen. Dann sind größere Geld-Brief-Spannen möglich. Die Händler verdienen an der Differenz.

"Ernsthafte Sorgen"
Kritikern bemängeln dem "Handelsblatt" zufolge nun einerseits, dass Privatanleger bei größeren Abweichungen zwischen An- und Verkaufskursen schlechtergestellt werden. Andererseits monieren Kritiker, dass die üblichen Rückvergütungen die Neobroker dazu verleiten könnten, die Order nicht an den günstigsten Händler zu geben, sondern an den, der die höchste Provision zahlt. Damit kostet die Privatanleger die Wertpapierorder am Ende vielleicht mehr als auf den ersten Blick gedacht.

"Die Rückvergütungen lassen ernsthafte Sorgen um den Anlegerschutz aufkommen", erklärt die Esma dem "Handelsblatt" zufolge. Oftmals sei es unwahrscheinlich, dass diese Praxis mit den Wertpapiergesetzen in der EU vereinbar ist. Die Aufseher in den Mitgliedstaaten sollten dieses Thema 2021 oder Anfang 2022 vorrangig im Blick haben, so die Behörde. Die Neobroker verweisen wiederum darauf, dass zu normalen Handelszeiten keine größeren Geld-Brief-Spannen bei ihren Partnern zu beobachten seien. Zudem werde das Prinzip der "Best Execution", also der günstigsten Ausführung, auch bei Rückvergütungen gewahrt. (ert)