Nach Jahren des üppigen Wachstums beginnen die Anbieter börsengehandelter Indexfonds (ETFs) damit, ihre Produktpaletten auszudünnen. So hat die Branche in den USA allein in diesem Jahr 108 Indexfonds aufgelöst – so viel wie noch nie. Die Schließungen oder Verschmelzungen summieren sich seit 1993 damit auf 568, zeigen Daten des Analysehauses Morningstar. Dem stehen allerdings 2.526 Neuauflagen in diesem Zeitraum gegenüber.

Der ETF-Markt in den USA ist in seiner Entwicklung weiter fortgeschritten als in Europa. Trends, die sich dort abzeichnen, schwappen gewöhnlich mit Verzögerung auch auf den alten Kontinent über. So tragen die Anbieter in Europa den Konkurrenzkampf zunehmend über den Preis aus, wie zuvor schon in den USA. Das hat Folgen: Die Deutsche Asset Management löste etwa im September auf einen Streich 14 Produkte auf. Auch andere Anbieter stampfen ETFs auf Nischenthemen wie Frontier Markets ein.

Ausschuss nimmt zu
"In den vergangenen fünf Jahren wurden Unmengen an Produkten rausgehauen, viele davon blieben nicht hängen. Dies führt nun zu den Schließungen", sagte Ben Johnson, Leiter des ETF-Analyseteams von Morningtar, der Wirtschaftszeitung "Financial Times". "Wir erwarten, dass der Ausschuss künftig zunimmt, da die Produktion in den vergangenen Jahren deutlich zulegte."

Indexfonds sind ein Massengeschäft. Aufgrund der geringen Kosten müssen die Produkte schon kurz nach dem Marktstart ein erhebliches Volumen aufbauen, damit die Anbieter akzeptable Margen erzielen. Unter Experten gilt die Daumenregeln: Ein verwaltetes Vermögen von 50 Millionen Dollar ist die Schwelle zum Gewinn, Produkte mit mehr als 100 Millionen Euro ergattern sogar eine Überlebensgarantie. Alles darunter ist akut davon bedroht, auf der Strecke zu bleiben.

Geduld nimmt ab
Bislang war die Branche nicht ganz so hart. Neu ersonnenen Produkten, die alternative Barometer abbilden und höhere Gebühren verlangen können, räumen die Emittenten meist noch eine längere Schonfrist ein. Oftmals hoffen die Anbieter auch, dass bestimmte Strategien in Mode kommen und füttern kleine Produkte länger durch.

Zudem lassen sie auch Randthemen im Sortiment, damit sie ihren Kunden eine umfassende Produktpalette bieten können. Doch soviel scheint klar: Mit dem immer schärferen Wettbewerb wird auch die Geduld der Anbieter mit schwindsüchtigen Strategien abnehmen. (ert)