Aus für Provisionsverbot: Entwurf für EU-Kleinanlegerstrategie
Vor knapp zwei Wochen überbrachte EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness freudige Kunde für die Finanzwirtschaft. Brüssel hatte das Provisionsverbot für Finanzprodukte aus der EU-Kleinanlegerstrategie gestrichen. Nun liegt auch der erste Entwurf des wichtigen Regelwerkes vor.
Die EU-Kommission hat einen ersten Entwurf der lange erwarteten Kleinanlegerstrategie vorgestellt. Das berichtet der deutsche AfW Bundesverband Finanzdienstleistungen, dem das Papier nach eigenen Angaben vorliegt. Die Veröffentlichung des abschließenden Textes des Papiers wird am 24. Mai erwartet. Die gute Nachricht für Finanzdienstleister ist, dass der Text nicht wie ursprünglich angedacht ein vollständiges Provisionsverbot für Finanzprodukte enthält.
Das Aus für das Verbot hatte EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness Ende April verkündet. Allerdings plant die EU-Kommission, dass es drei Jahre nach Inkrafttreten der Rechtsvorschriften eine Überprüfung geben soll – in deren Rahmen das Verbot wieder auf den Tisch kommen könnte.
AfW begrüßt Verzicht auf Provisionsverbot
"Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich um einen Entwurf handelt, was bedeutet, dass das Dokument vor seiner offiziellen Vorlage noch geändert werden könnte", sagt Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW. "Grundsätzlich begrüßen wir im Interesse der von uns vertretenen unabhängigen Finanzanlagenvermittler sowie Versicherungsmakler und ihrer Kunden selbstverständlich die Entscheidung der Kommission, auf ein vollständiges Provisionsverbot zu verzichten."
Der Verband nennt als weitere wichtige Punkte der Kleinanlegerstrategie ein teilweises Verbot von Anreizen für reine Ausführungsprodukte, bei denen keine Beratung stattfindet (lesen Sie dazu auch die Ausführungen von Rechtsanwalt Christian Waigel bei FONDS professionell ONLINE). Ferner werde es einen überarbeiteten "Best Interest"-Test für Finanzberater geben: Damit sollen diese dazu gebracht werden, ihren Kunden alternative und billigere Produkte anzubieten. Auch die beruflichen Anforderungen an die Berater sollen verschärft werden.
Kontrollmandat für Bafin & Co.
Schließlich sollen die EU-Aufsichtsbehörden das Mandat erhalten, "Preis-Leistungs-Benchmarks" als Maßstäbe für Kosten und Leistung zu schaffen. "Eine Abweichung von der jeweiligen Benchmark sollte die Vermutung aufkommen lassen, dass die Kosten und Gebühren zu hoch sind und das Produkt kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet", zitiert der AfW aus dem Dokument.
Der deutsche Votum Verband äußerte scharfe Kritik an dem Entwurf für die EU-Kleinanlegerstrategie. So würden die europäischen Behörden für Wertpapieraufsicht (ESMA) und Versicherungsaufsicht (EIOPA) mit dem oben genannten Mandat zu einer Art "Produkt-Polizei" werden. Dies könnte einen europäischen Provisionsdeckel bedeuten. Ferner beanstandet der Verband, dass die EU-Kommission erneut nur den Bereich der provisionsbasierten Beratung mit Regulierung überziehe, aber kein Wort dazu verliere, dass auch im Bereich der Honorarberatung Gefahren für Fehlentwicklungen bestehen. "Auf diesem Auge bleibt die EU-Kommission blind. Letztendlich folgt die Kommissarin einer Ideologie anstatt eines faktenbasierten Politikansatzes", so der geschäftsführende Votum-Vorstand Martin Klein. (jb)
Kommentare
best interest test? Kleinanlegerstrategie
Antwortendie Kommision betrachtet Geldanlagen in offene Investmentfonds ausschließlich aus dem Blickwinkel von Kosten, was zeigt, dass sie nur darauf aus sind dem sog Kleinanleger die Möglichkeit eine vernünftige Beratung zu erhalten, verweigern wollen. Berater benötigen Einkünfte....Honorare sind Umsatzsteuerpflichtig (19%) neben dem Aspekt, dass eine Beratung von sog.Kleinanlegern i.d.R.erheblich aufwendiger ist als bei Menschen, die mit Investments außerhalb eines Sparbuches vertraut sind.- Auf Rusiken, die in ETFs schlummern, wird überhaupt nicht eingegangen, z B. bei solchen, die nicht voll replizierend sind oder auf die Recherche bzgl des zugrubde liegenden Index-Produktes von MSCI, S&P, etc....hier gibt es nicht nur große Risiken für die Kunden, weil ohne Management in der heutigen Zeit, sondern auch für den Berater in juristischer Hinsicht, denn die Zusammenstellung eines Portfolios von ungemangeten Fonds ist wie eine Zusammenstellung von Einzelaktien nur"Korb weise" und noch dazu viel schlechter durchschaubar. Honorarberater bewegen sich aus meiner Sicht da auf sehr dünnem Eis, zumal sie nicht wie ein 34f -Vermittler den einzelnen gemanagten Fonds dem Kunden erläutern, was dem Grunde nach keine Beratung ist, sondern eine Zusammenstellung von meist ungemanagten Fonds. Die Kommision treibt "Otto-Normal-Kunde" entweder in die Sparbücher ( die kosten auch und nicht zu knapp) oder bzgl Alterversorgung in die Arme der Versicherer die mal richtig Geld kosten laufend ohne Abschlussprovision und zum Dank ist dann das Geld des Kunden das 'Sondervermögen' des Versicherungskonzernes, was durchaus zu einem Problem werden könnte in der heutigen Zeit. Die Kommision muss sich die Frage gefallen lassen, was denn wirklich ihre Zielsetzung ist? - Mal unabhängig davon, dass sie ubausgesprochen den Vermittlern von offenen Investmentfonds nur $-Augen unterstellt und kein Kundeninteresse. Wir leben von zufriedenen Kunden...es sind keine einmaligen Abschlüsse wie bei Lebensversicherungen.
# Drossel am 09.05.23 um 17:23